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Tags:    Gedanken     Tourismus
 
michil Sonntag, 1 April 2018

Mein Wunschhotel

Was macht ein gutes Hotel aus? Es muss in vieler Hinsicht besser sein als das eigene Zuhause. Eine Flucht aus dem Alltagsleben.
Mein Wunschhotel
 
 
 
"Kommt, schnell, ich trinke Sterne!" (Dom Pérignon)
„Ihre Papiere, bitte.“ Nein, wir sind nicht von einer Polizeistreife angehalten worden. Wir haben ein Hotel in Italien betreten. Meine Frau hatte ihren Reisepass in ihrer Tasche im Auto gelassen, und ich fühlte mich gleich schuldig – vielleicht wird man mich ja verhaften? „Hatten Sie eine angenehme Reise?“. Das fragt man mich dreimal hintereinander. Wie bei einer automatischen Bandaufzeichnung. Wir hatten einen schwierigen Tag gehabt, mit viel Verkehr auf den Straßen, und diese Frage zu hören war so ähnlich wie gefragt zu werden, ob man gut geschlafen hat, nachdem man gerade eine Nachtschicht gearbeitet hat.
In meinem Wunschhotel gibt es keinen Schalter, keine Barriere zwischen mir und der Empfangsmitarbeiterin. Und man bietet mir zur Erfrischung ein Glas Wasser an, vielleicht ja sogar mit einem Hauch von Zitrone. Man bittet mich nicht unmittelbar nach meiner Ankunft, irgendwelche Erklärungen zu unterschreiben – ich möchte mich zuerst gern einmal in Ruhe umsehen, sodass ich meinen Urlaub von Anfang an genießen kann.
In meinem Wunschhotel sind die Wasserhähne mit einer Wassersparfunktion ausgestattet, und der Strom kommt aus einer erneuerbaren Energiequelle. Vielleicht werden auch die Aufzüge nur dann betrieben, wenn es absolut notwendig ist. Mein Zimmer ist mit leicht verständlicher und anwendbarer Technologie ausgestattet, sodass ich keinen Universitätsabschluss benötige, um das Licht einzuschalten. Und dann die Steckdosen – warum muss man so oft auf die Knie gehen oder über Möbelstücke klettern, nur um sein Handy aufzuladen? Ich weiß noch, wie meine Eltern sich einmal die Mühe machten, in jedem Zimmer unseres La Perla Hotels ein- oder zweimal zu übernachten. Sie wussten, dass man Zeit in einem Hotelzimmer verbringen muss, um eventuelle Probleme zu identifizieren.
In meinem Wunschhotel schauen die Mitarbeiter den Gästen in die Augen, und wenn sie „Guten Tag“ sagen oder fragen: „Kann ich etwas für Sie tun?“, dann meinen sie dies ehrlich und zeigen sich interessiert. Allzu oft werden solche Worte ohne jegliches Gefühl oder Interesse geäußert. Was die anderen Hotelgäste betrifft, würde ich mir vorstellen, dass es Menschen sind, die ebenfalls zu schätzen wissen, was ihnen das Hotel bietet: die frischen Blumen, die Leinentischdecken, die blitzsauberen Fußböden, das antike Mobiliar, das geschmackvoll ausgewählte Dekor. Auch ein angenehmer Duft tagsüber im Foyer gehört zum Ambiente, und morgens in der Bar ein Hauch von Kaffee und Schokolade. Als weicher klanglicher Hintergrund am Morgen etwas sorgsam ausgewählte Musik, oder auch angenehme Stille – jedenfalls nicht das chaotischen Klingeln von Mobiltelefonen.
In meinem Wunschhotel staut sich keine Schlange von Geländewagen vor dem Eingang. Im meinem Wunschhotel höre ich: „Möchten Sie lieber Darjeeling oder Assam, oder vielleicht einen grünen Tee?“ und man fragt mich nicht lediglich banal: „Mit oder ohne Zitrone?“. Und wenn ich einen Martini Cocktail bestelle, erscheint die Bedienung nicht nur angemessen gekleidet, sondern weiß auch genau, was den perfekten Martini-Cocktail ausmacht, und ich laufe nicht Gefahr, eine schwache Imitation serviert zu bekommen.
In meinem Wunschhotel serviert man das Essen auf normalen, runden Tellern – wie in alten Zeiten. Dreieckige oder schwanenförmige Teller sollten den Szene-Restaurants und Bistros vorbehalten bleiben. Am Morgen fragt mich der Koch persönlich, wie ich meine Frühstückseier möchte. Genauso habe ich es im Principe di Savoia in Mailand erlebt. Am Abend höre ich vielleicht, wie der Maitre d'Hotel sein Personal einweist; dabei lernt man viel über Psychologie, die menschliche Natur, Disziplin, ja sogar über Verkaufstechniken. Man verschont mich hoffentlich mit erfundenen Geschichten über örtliche Erzeugung, wenn ich doch schmecken kann, dass die Produkte von anderswoher stammen. Und bitte keine fragenden Blicke, weil ich nur zwei Gerichte bestelle und nicht die gesamte Speisekarte – es liegt nicht an meinen mangelnden Manieren, ich äußere einfach nur meine Wünsche.
In meinem Wunschhotel arbeiten mehr weibliche Angestellte in der Lounge und Bar und mehr männliche Kräfte im Zimmerdienst, beim Staubsaugen und als Fensterputzer. Wir sollten vielleicht begreifen, dass alle diese Arbeiten anstrengend und ermüdend sind.
In meinem Wunschhotel verhalten sich die Gäste respektvoll, ziehen keine voreiligen Schlüsse, und sind sich bewusst, dass das Personal harte und oft schwierige und erschöpfende Arbeit leistet. Man sollte bedenken, dass Hotelangestellte normale Menschen sind, dem Stress ausgesetzt wie wir alle – der Verlust eines nahen Angehörigen ist ein schmerzhaftes Erlebnis, ganz gleich, welchen Beruf man ausübt.
In meinem Wunschhotel grüßen sich die Gäste gegenseitig, wenn sie sich auf der Treppe begegnen, und ich würde ebenfalls gern in der Küche vorbeischauen können, um den Köchen für ihre Arbeit zu danken. Und, wie schon gesagt, ich wünsche mir einen Speisesaal ohne WiFi-Verbindung. Auch der Sprachgebrauch sollte angemessen sein – wenn ich um etwas bitte, möchte ich nicht hören: „Kein Problem", sondern eher ein höfliches „Selbstverständlich!“ Was Gastfreundschaft betrifft, so können wir viel von Cracco und seinem neuen Hotel in Mailand lernen.
In meinem Wunschhotel würde ich mich gern mit dem jungen Mann aus Pakistan unterhalten, der einen Abschluss in Geopolitik besitzt, jedoch hier als Tellerwäscher arbeitet, oder ein Gespräch mit der Kellnerin führen, die gerade die Hotelfachschule absolviert hat, und sie fragen, wie ihr die Arbeit gefällt und wie sie ihren zukünftigen Berufsweg sieht – was Arbeitszufriedenheit angeht, hat das Hotelgewerbe die besten Jobs in der Welt!
Stellen Sie sich jetzt vielleicht die Frage: Wenn Sie selbst Hotelier sind, warum setzen Sie diese Dinge nicht einfach in die Wirklichkeit um? Um ehrlich zu sein: wir arbeiten an einigen der genannten Punkte, doch niemand weiß, ob wir es schaffen werden, die gesamte Liste abzuhaken. In meinem Wunschhotel ist eines gewiss: es besteht kein Mangel an guten Ideen und ehrgeizigen Zielen.

michil costa 
 
 
 
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