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michil Montag, 1 Oktober 2018

Über Rockmusik, Geschichte und die Zeit, die zwischen Vergangenheit und Zukunft tanzt

Zivilisation, Barbarei... und dann alles wieder von vorne?
Über Rockmusik, Geschichte und die Zeit, die zwischen Vergangenheit und Zukunft tanzt
 
 
 
Die Zeit vergeht so schnell; oft ist es nur ein Augenblick, der uns in all seiner Kürze alle Sicherheiten nimmt und alles möglich macht. Jahrhunderte gleiten an uns Menschen ab, als ob vor unserer eigenen Existenz nie irgendetwas passiert wäre. Und das ist ein echtes Problem.
In den Achtziger Jahren braut sich etwas zusammen in der Welt. Ein Schauspieler wird Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. In Italien morden die Roten Brigaden, und am Bahnhof von Bologna explodiert eine Bombe. Das „Ungeheuer von Florenz“ ist in aller Munde. Der ägyptische Präsident Sadat wird umgebracht, und das Gleiche versucht der türkische Terrorist Ali Agca mit Papst Johannes Paul II.
Während in Italien die Geheimloge P2 überall ihre Fäden spinnt, bin ich noch ein Junge, der Diabolik-Comics liest, sich aber immerhin schon an Gurdjieff annähert, auch wenn ich ihn erst Jahre später wirklich verstanden haben werde. In meiner freien Zeit hänge ich in irgendwelchen Lokalen ab, wo wir dummes Zeug singen und anschließend die Rückspiegel der Autos abknicken. Ich verehre The Clash, und auf den Spuren von Punk versuche ich, mit der herrschenden Ordnung zu brechen. Mir wird klar, dass gerade Geschichte geschrieben wird, und ich möchte aktiv dabei sein und nicht einfach nur in den Bergen herumsitzen. Ich fange an, mich für die komplizierten Verhältnisse Irlands zu begeistern, dieses stolze, aus den Kelten hervorgegangene Volk, das seit jeher für Freiheit und Selbstbestimmung kämpft und das bis zum Hungerstreik der beiden IRA-Gefangenen nicht aufgibt. Bobby Sands, eines meiner Idole, wird dafür am Schluss sein Leben gelassen haben. Und noch lange später werde ich nicht aufhören mich zu fragen, wieso es damals keinen Aufstand gegen die so verhasste Margret Thatcher gegeben hat.
Am Tag meines Geburtstags im Jahr 1980 wird John Lennon erschossen; im Jahr darauf stirbt die Legende des Reggae und der Joints, Bob Marley, mit nur 36 Jahren. Der erste IBM-Computer taucht auf dem Markt auf und sieht aus wie ein Raumschiff: ein grün phosphoreszierender Bildschirm und zwei Floppy-Disks. Es handelt sich um eine richtige Maschine, nicht nur irgendein Kinderspielzeug. Ich finde es unglaublich, dass ich zum Korrigieren meiner Schreibfehler jetzt kein Tipp-Ex mehr brauche wie mit meiner alten Olivetti-Schreibmaschine, meiner treuen Gefährtin bei vielen geschriebenen und geträumten Geschichten. Alle möglichen Dinge geschehen gleichzeitig; die Musik schlägt den Takt meines Lebens, und doch werde ich die ganze Zeit über das Gefühl nicht los, dass die Epoche, deren junger Zeitzeuge ich bin, bereits wieder zu Ende geht. Die Hoch-Zeit des Rock ist schon vorbei, die Stones sind Könige des Kommerz geworden, das unerreichbar schöne Lied Creuza de Ma‘ von Fabrizio di André ist noch nicht erscheinen, und der widerborstige Bob Dylan ist handzahm geworden. Er konvertiert zum Katholizismus und zerstört damit das Bild von sich als rebellische und intellektuelle Ikone des politischen Aktivismus und Hippietums. Was mich betrifft, so hängen mir meine Berge und Bauern allmählich zum Hals heraus.
Mit dem ersten Flug der Raumfähre Space Shuttle zeigt sich, wie neue Technologien alles Alte zu verdrängen suchen, doch dann zeigt das Alte erstaunliches Beharrungsvermögen. Obgleich sich eine neue Zukunftsgläubigkeit enthusiastisch Gehör verschafft, obwohl sich neue Horizonte aufzutun scheinen, so wollen sich doch die Spuren unserer kulturellen Identität, einer noch präsenten Vergangenheit nicht auflösen. Dezent erinnern sie uns daran, dass zur Freiheit zwangsläufig auch Pflichten und gegenseitige Verantwortung gehören. Und während es Menschen gibt, denen die Muttergottes von Medjugorje erscheint, so erscheint mir Frank Zappa, der eisern disziplinierte Rebell und Freigeist. Disziplin, genau: Eine ganz neue Idee tut sich da vor meinen Augen auf, mit der ich mich auseinandersetze, bis heute übrigens, wo in unserer globalisierten Gesellschaft Werte und Ideologien vor die Hunde gehen, wo der einzelne immer mehr zu zählen scheint als die Gemeinschaft, wo aggressive Töne unsere angeborene Schönheit (und die der anderen) zu infizieren drohen. Denn wenn wir uns selbst auf dieses Niveau begeben, wo Aggressivität und Hass zum normalen Umgangston gehören, dann werden auch unsere edelsten Gedanken brutalisiert und unsere Vergangenheit verwandelt sich in eine belanglose Masse aus nervigen Erinnerungen. Dabei ist es äußerst wichtig für die bewusste Weiterentwicklung der Menschheit, dass wir aus der Vergangenheit Lehren und Warnungen mitnehmen.
Die Zeit vergeht so schnell; oft ist es nur ein Augenblick, der uns in all seiner Kürze alle Sicherheiten nimmt und alles möglich macht. Jahrhunderte gleiten an uns Menschen ab, als ob vor unserer eigenen Existenz nie irgendetwas passiert wäre. Und das ist ein echtes Problem. Denn ob es uns gefällt oder nicht, die Vergangenheit hat uns geformt, hat uns manchmal verbildet, manchmal gebildet, ganz egal von unserem Lebensraum, ob der nun in der Einsamkeit der Berge liegt oder inmitten einer pulsierenden Metropole. Es liegt an uns, zu begreifen, was ihre Besonderheiten waren und entsprechend neue Evolutionswege einzuschlagen, auf denen wir nicht die bereits gemachten Fehler wiederholen. Also mache ich „copy and paste“ mit meinen Erinnerungen an meine Jugendjahre, füge sie in die Gegenwart ein und versuche mir eine mögliche Zukunft vorzustellen. Im Bewusstsein, dass jeder von uns dafür verantwortlich ist, aus der Vergangenheit zu lernen, um die Gegenwart zu verbessern. Und um eine Zukunft zu hinterlassen, die es wirklich wert ist, menschlich gelebt zu werden. So come on and let me know, should I stay or should I go?

michil
 
 
 
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