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Tags:    Dolomiten     Routen
 
Marco Sonntag, 9 Juli 2017

Warten, dass die Natur erwacht

Ein Gebiet zu kennen, ist wie sich selbst zu erforschen: Aus dem Wissen um das Innerliche und das Äußerliche erwächst die Fähigkeit, andere zu Orten zu begleiten, die mehr sind als nur Klischees
Warten, dass die Natur erwacht
 
 
 
Ich warte darauf, dass mir die Blumen den Weg nach oben freigeben. Dass sie mir sagen, wann der Moment gekommen ist, aufzusteigen in jene Regionen. So dass ich den anderen empfehlen kann, wo sie hinwandern sollen, was sie dort lernen können und welche Fehler sie nicht wiederholen dürfen: vor allem den nicht, die Blumen zu zertreten!
Ich bin ganz nah dran, und gerade diese Nähe lässt mich leiden. Denn ich meine die Dolomiten, an deren Fuße ich voller Ungeduld darauf warte, dass es endlich soweit ist. Um mich herum, im Tal, sehe ich eine prächtige Natur: Die Blumen blühen wie verrückt, die Vögel singen. Und ich? Suche in meinem Computer nach Webcams, die mir meine geliebte Welt da oben zeigen. Doch dort, in den Hochlagen der Dolomiten, ist noch nichts. Keine einzige Blume bisher. Ein paar traurige Schneereste flecken eine braune Landschaft. Es sind die Skipisten, die genauso wie ich auf die Sonne warten, damit sie sich endlich erholen und nach den winterlichen Strapazen wieder zu Kräften kommen können. Zwischen Wolkengruppen, die nach Süden ziehen und eine Kältespur hinter sich herziehen, scheinen immer mal wieder die Dolomitengipfel auf, recht bedrohlich, um die Wahrheit zu sagen. Keine besonders ermutigenden Zeichen. Vor zwei Wochen habe ich das ganze Gebiet einmal durchquert, von Osten nach Westen. Das dauert nicht sehr lange. Die Dolomiten sind keine sehr ausgedehnte Region, doch ich bin nur auf ein paar entschlossene Einheimische getroffen, die ihren Geschäften nachgingen wie immer, und die sich nie eine Pause gönnen. Keine einzige Blume gab es, keinen einzigen Touristen und überhaupt nur sehr wenige Gründe für uns Landmenschen, sich zu diesem Zeitpunkt hier aufzuhalten. Und die Wetteraussichten scheinen sich auch nicht zu bessern. Ich denke an unseren Sassongher mit seinen steilen und gepflegten Wanderwegen, von denen man ins Tal hinuntergucken kann, als wäre es eine Zeichnung zu unseren Füßen. Ich denke an den Puez mit seinen atemberaubenden Hochebenen, die sich in der Ferne verlieren, mit ihrem Mix aus Felsen, Zacken und flachen Hochalmen. Ich denke an die Sella, von deren mächtigen Wurzeln nicht nur die Bergbäche in alle Richtungen laufen, sondern auch die Täler, die seit Jahrhunderten die Wiege der ladinischen Dolomitenkultur darstellen. Ich denke an die Fanes, jenes märchenhafte Gebirge, in denen Bergsteiger mit Kondition schier endlose Abenteuer erleben können. Und auch an den Padón, der so schwarz ist, so vulkanisch und rätselhaft, als wolle er uns mit seiner Anwesenheit daran erinnern, dass auch Ausnahmen von der Regel wunderschöne Erscheinungen sein können. Und ich muss still bei mir darüber nachdenken, wie hier, im Süden und Osten des Gadertals, Männer wie ich furchtbar gelitten haben – vor 100 Jahren und mit einem Gewehr in der Hand. Auf dem Lagazuoi zum Beispiel, und um ihn herum, mussten Soldaten furchtbare Kälte, Erniedrigungen und den Tod ertragen, mussten absurden Befehlen gehorchen, die in den meisten Fällen von ebenso absurden Personen gegeben wurden. Mit unseren Kriterien von heute können wir nicht die Entwicklung eines noch jungen Italiens und eines Europas bewerten, das sich gerade in den Fängen nationalistischer Gedanken im Stile des ausgehenden 19. Jahrhunderts befindet. Doch wir sollten wenigstens aus den Fehlern von damals lernen. Das ist der Grund, aus dem ich warte. Ich warte darauf, dass mir die Blumen den Weg nach oben freigeben. Dass sie mir ankündigen, wann der Moment gekommen ist, aufzusteigen in jene Regionen. Dass ich dann endlich auch den anderen empfehlen kann, wo sie hinwandern sollen, was sie dort lernen können und welche Fehler sie nicht wiederholen dürfen: den vor allem, die Blumen zu zertreten! Ich warte darauf, dass die Natur erwacht.

Marco
 
 
 
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