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Pippo Montag, 5 September 2016

Schule auf den Dolomitengipfeln

Fast in jeder Gruppe gibt es Geschwister, die pausenlos streiten. Doch sobald wir losklettern, wird es ernst. Und alles ändert sich.
Schule auf den Dolomitengipfeln
 
 
 
"Ein Bergführer hat zwei Augen, weil er mit dem einen nach dem Wetter schaut und mit dem anderen nach dem Gast."
Ich bin Bergführer von Beruf. Normalerweise melden sich die Leute bei mir, sagen mir, was sie machen möchten und dann entscheiden wir gemeinsam, wann und wie. Doch als Bergführer für das La Perla sieht die Sache anders aus. Und ich muss zugeben, dass der schwierigste Teil meines Jobs nicht ist, die Leute sicher auf die Berge und wieder hinunter zu bringen, sondern zu verstehen, mit was für Leuten ich überhaupt zu tun habe. Wozu sie in der Lage sind, wozu sie Lust haben, was ihnen vorschwebt. Da ist man eher Psychologe als Bergsteiger! Am liebsten bin ich mit Kindern und Jugendlichen unterwegs. Wenn wir im La Perla sind, schlage ich vor, erstmal gemeinsam vor die Tür gehen. Dann setzen wir uns auf die Holzbank vor dem L’Murin, ratschen ein bisschen über dies und das. Dann zeige ich ihnen einen ganz bestimmten Punkt. Da oben, oberhalb von Colfosco, in Richtung Grödner Joch, seht ihr die Felsspitzen da oben? Das sind die Cirspitzen, die Große und die Kleine. Da steigen wir morgen hoch. Die Kinder schauen mich dann fast immer mit großen Augen an. In diesen Augen sehe ich ein bisschen Angst, aber vor allem viel Aufregung und Vorfreude. Und schon das macht dich glücklich, denn ich weiß, dass es für sie morgen ein großer Tag werden wird.
Fast in jeder Gruppe sind Geschwister, die pausenlos streiten. Das kündigen sie oft selbst schon an, und die Eltern bestätigen es. Oder es gibt Freunde, die sich ständig gegenseitig übertreffen müssen. Es ist unglaublich, diese Kinder dann unter der Großen Cirspitze zu erleben, wenn ich sie anseile und ihnen erklären, wie es jetzt weitergeht. Ganz still und konzentriert hören sie zu, sind jetzt bereit, sich gegenseitig zu helfen, wenn es nötig werden sollte. Das ist es, was die Berge aus uns Menschen machen, jedes Mal. Sie sind eine großartige Schule des Lebens, in der Solidarität und Freundschaft alles andere überwinden. Und wo du Dinge leistest, die du nicht für möglich gehalten hättest. Wenn wir alle zusammen hochsteigen, erzähle ich immer ein bisschen von Bergtouren, die ich im Leben schon unternommen habe. Nicht um anzugeben, eh klar, sondern um die Gruppe näher an diese wunderbare Welt der Berge heranzuführen. Ich zeige ihnen Gipfel, Wege, Kletterrouten. Erzähle, dass ich hier und dort schon gewesen bin. Eigentlich überall. Auch ein bisschen von der Geschichte Ladiniens erzähle ich. Von unserer Welt hier. Ich versuche ihnen zu vermitteln, wer wir sind und warum man die Berge mit Respekt behandeln muss. Dann haben wir aber auch viel Spaß. Direkt unterhalb der Cir-Spitze liegen Felsen, die vor Millionen Jahren von oben heruntergestürzt sind. Ich spanne dann oft ein Seil zwischen zwei Felsen und richte eine rudimentäre Schwebebahn ein. Und es ist ein Mordsspaß, wenn die Kids da dann auf 50 Metern hin- und hersausen. Und wenn wir dann hochsteigen, gebe ich dann immer den Spruch zum Besten, den damals schon mein Lehrmeister zu mir gesagt hat: „Der Bergführer hat zwei Augen, weil er mit einem nach dem Wetter schaut und mit dem anderen nach dem Gast“.
Neulich einmal kam ein Bub zu mir und hat gesagt: „Weißt du, Pippo, wenn die Lehrerin sagt, dass wir einen Aufsatz schreiben soll über das Schönste, was wir je erlebt haben, dann schreibe ich von dem Tag, an dem ich auf die große Cirspitze geklettert bin.“ Ich habe ihn angeschaut und gelächelt. Und war glücklich für ihn. Ja, denn die Berge sind etwas Besonderes, und sie motivieren dich, selbst etwas Besonders zu leisten. Wenn dieser Junge stolz seinem Vater erzählen kann – einem Vater, der das ganze Jahr arbeitet und fast nie Zeit für sein Kind hat – wenn er ihm also erzählen kann, dass er da oben auf dem Gipfel gestanden ist und wenn dieser Vater dann seinen Sohn auf einmal etwas aufmerksamer betrachtet, dann denke ich mir, dass ich wirklich einen schönen Job habe. Morgen geht es übrigens wieder los. Mit einer neuen Tour.

Pippo
 
 
 
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