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Themen:     Kultur & Tradition (14)  
Tags:    Natur     Sommer     Südtirol
 
SS
Sonia Sbolzani Montag, 28 Juli 2014

Wunderbare Gärten

Der häusliche Südtiroler Gemüsegarten ist ein Mikrokosmos innerhalb der vielfältigen Landschaft unserer Region, ein kleines, aber bedeutendes Steinchen im großen Mosaik des bäuerlichen Lebens, und seit jeher eine Schatzgrube der mit der Natur verbundenen Sitten und Gebräuche. Wie Michela Pasquali in „Südtiroler Paradies. Gebirgsgärten“ (Linaria, Rom 2012) schreibt, sind diese „schön anzusehenden und wohlschmeckenden“ Orte ein noch stärkeres kulturelles Element: Im gleichen Maße wie Bauernhöfe, Almen und Wälder sind die Gärten integrierendes Element eines harmonischen Systems, mit dem sich die lokale Identität von anderen abhebt.
Wunderbare Gärten
 
 
 
„Gemüsegärten sind seit jeher die einzigen Gärten im Gebirge – und sie sind das uneingeschränkte Reich der Frauen. An der Anordnung und Vielfalt der Pflanzen zeigen sich Geschick, Wissen und Ideen.“
Mit ihrer Vielfalt an Gemüsesorten, den bunten Blumen und der liebevollen Pflege, die ihnen die Bäuerinnen angedeihen lassen, drücken sie die beharrliche Bindung an das Land und das tiefe Zugehörigkeitsgefühl der ländlichen Bevölkerung aus. Und sie sind Zeugnis für die materiellen, gefühlsmäßigen und auch ästhetischen Bindungen, die sich im Laufe der Jahrhunderte zwischen Mensch und Land gebildet haben.
Seit jeher ist der Gemüsegarten der einzig wahre Gebirgsgarten und das unangefochtene Reich der Frauen. Wie mir die Autorin sagte: „Man stellt sich ein kleines Stück Land vor, das harmonisch an die umgebende Landschaft angepasst ist. Mehr als irgendwo sonst können die Bäuerinnen hier ihren Geschmack und ihre Vorlieben zum Ausdruck bringen, in dem sie über ihre Angewohnheiten, Bedürfnisse und Leidenschaften reflektieren. In manchen Gärten mag so ein eher instinktiver Ansatz durchscheinen, bei dem Blumen und Gemüse ein bisschen durcheinander wachsen, während andere Gärten sorgfältig und ordentlich durchstrukturiert sind und die Pflanzen in Reih und Glied wachsen. An der Anordnung und Vielfalt der Pflanzen zeigen sich Geschick, Wissen und Ideen. Obwohl die Bergbäuerinnen immer noch an ihren Traditionen hängen, sind sie aber auch der Zukunft zugewandt. Anders als im Klischee, wo sie ausschließlich auf dem Hof arbeiten, tragen sie heute kräftig zur Aufwertung des Verhältnisses zwischen dem Land und seinen Produkten bei und führen kleine und mittlere Betriebe.“
Die in den Gebirgsgärten wachsenden Pflanzen dienen nicht nur der Ernährung, sondern bilden auch die Grundlage für zahlreiche Heilmittel auf der Basis des örtlichen Arzneiwissens; außerdem haben sie einen symbolischen Wert, der sich in teils schon vergessenen Sitten zeigt. So wundert es nicht, dass die Pflanzen ihre ganz eigenen Namen besitzen. Das Polemonium coeruleum etwa wird hier Himmelsleiter genannt, das Diplacus Glutinosus heißt seiner Form wegen Tiroler Glöckchen.
Die Gebirgsgärten, von denen einer anders aussieht als der andere, wollen uns zeigen, dass der Mensch mit Einsatz und Verantwortungsgefühl in der großen Welt der Natur nicht nur überleben, sondern sogar gut leben kann. Es ist demnach ein großes Glück, dass so viele Südtiroler Bäuerinnen nicht nur weiterhin zum Erhalt eines botanischen Erbes mit seinem reichen tradierten Wissen beitragen wollen. Weil sie dabei einerseits zum Schutz der Identität der Landschaft beitragen und andererseits nachhaltige Landschaft und Tourismus ankurbeln. An der Bewahrung des Kultur- und Naturschatzes, den diese Gärten darstellen, arbeiten auch Ämter, Schulen und Museen mit, die das ehrenvolle Anliegen durch Forschung und Informationsweitergabe unterstützen.

Sonia Sbolzani
 
 
 
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