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Nicolò Dienstag, 11 April 2017

Wo Armut anfängt, endet die Freiheit

Humanitäre Hilfe muss konkret sein. Sie muss sinnvoll, einfach und zukunftsorientiert sein. Einfach nur Geld zu schicken, um sein Gewissen zu beruhigen, reicht nicht.
Wo Armut anfängt, endet die Freiheit
 
 
 
Wenn wir jemandem helfen wollen, auch im Alltag, müssen wir uns erst die Mühe machen zu begreifen, was dieser Mensch wirklich braucht. Um dann sinnvoll zu agieren. Solche Hilfe ist komplexer und komplizierter und erfordert viel mehr Einsatz. Doch nur so bringt sie wirklich etwas.
Eine Reise mit der Costa Family Foundation nach Uganda. Auch Pio ist dabei. Unser Ziel: Karamoja, wo wir uns ein paar unserer Projekte ansehen möchten. Schulen und Bio-Bauernhöfe. Der erste Eindruck, gleich nach der Landung, ist nicht der heiterste: Am Flugplatz parken Panzer, Lastwagen, Flugzeuge der UNO. Kriegsgerät, dass den Frieden sichern soll. Schon eine seltsame Welt. Und ich fühle mich nicht besonders sicher. Dann kommen wir nach Kampala zum Quartier von ISP. Büros und Zimmer sind mit Stacheldraht und Toren geschützt. Nachts dreht ein Wächter seine Runden. Doch alle erklären uns immer wieder, dass die Lage ganz ruhig sei. Eine gepanzerte Ruhe, sozusagen. Zuhause habe ich keinen Stacheldraht. Ich bin entspannt, habe keine Angst. Doch der Effekt, den das alles auf mich hat, ist seltsam. Am nächsten Morgen machen wir uns bereit, das Quartier zu verlassen, um die Stadt und die Bio-Bauernhöfe auf dem Land zu besuchen. „Was wollt ihr mit dem Fotoapparat? Nehmt ihn besser nicht mit. Oder versteckt ihn wenigstens gut. Außerdem solltet ihr immer jemanden aus dem Ort fragen, bevor ihr jemanden fotografiert. Denn wenn ihr den Falschen ablichtet, könntet ihr im Gefängnis landen. Und Ugandas Gefängnisse sind – wie die Gefängnisse überall auf der Welt – nicht der beste Platz. Und hier weiß man noch nicht einmal, was eigentlich vorgeht in den Gefängnissen.“ Diese Infos bekommen wir mit auf den Weg. Infos, die uns klarmachen, dass wir uns hier nicht frei bewegen können. Dass unser Leben nicht besonders viel wert ist. Dass wir wegen eines Fotos hinter Gittern landen können und dass dann keiner weiß, was dort mit uns passiert. Ich denke weiter: Unser wichtigster Besitz ist nicht Geld und Reichtum. Vielleicht noch nicht einmal ein funktionierendes Gesundheitswesen regelmäßige warme Mahlzeiten. Das alles ist nicht schlecht. Doch das allerwichtigste sind die persönliche Freiheit und der Umstand, dass das Leben eines jeden Menschen den allerhöchsten Stellenwert besitzt. Das kommt vor allem anderen. Wir hier bei uns. Wenn wir jemandem helfen wollen, auch im Alltag, müssen wir uns erst die Mühe machen zu begreifen, was dieser Mensch wirklich braucht. Um dann sinnvoll zu agieren. Solche Hilfe ist komplexer und komplizierter und erfordert viel mehr Einsatz. Doch nur so bringt sie wirklich etwas. betrachten das als Selbstverständlichkeit, doch wie bei so vielem im Leben, wird uns die Bedeutung einer Sache erst klar, wenn wir sie nicht mehr haben. Uganda. Zentralafrika. Viktoriasee. Der Krieg ist schon länger vorbei, eigentlich herrscht keine Notsituation. Nicht nötig ist also dringende Soforthilfe, wie sie in den Werbespots der großen Hilfsorganisationen oft eingefordert wird, die besonders eindringlich gestaltet sind, damit in großem Stil Geld zusammenkommt, das dann aber oft nicht so ausgegeben wird, wie es eigentlich sollte. In Uganda spürt man solche Verschwendung – jemand anderes würde vielleicht sogar von Betrug reden – recht deutlich, doch das ist eine andere Geschichte. Was hier gebraucht wird, sind keine Kleidungsstücke, die gibt es schon. Auch kein Essen, das verdirbt, wenn es nicht sofort konsumiert wird. Und das nach Nachschub verlangt, sobald die Vorräte verbraucht sind. Was hier gebraucht wird, sind keine gespendeten TV-Geräte, auch wenn wir vielleicht glauben, den Menschen damit eine Freude zu machen: Die meisten Häuser haben keine Antenne und daher keinen Empfang. Es bringt auch nichts, dem Familienoberhaupt Geld zu schenken, weil er es höchstwahrscheinlich vertrinkt oder damit die schönste Nacht seines Lebens finanziert. Nicht, weil er ein schlechter Mensch wäre, sondern weil er es nicht gewöhnt ist, sein Leben zu planen. Zukunft war hier ein äußerst vager Begriff; bis vor kurzem konnten die Menschen in dieser Gegend noch nicht einmal sicher sein, dass sie den nächsten Tag überhaupt überleben würden. Was hier also gebraucht wird, sind Zukunftsaussichten, die sich auf schlichte, konkrete Dinge stützen. Die verstehen lassen, dass Krieg und Diktatur vorbei sind. Gebraucht werden Bewässerungssysteme, Samengut für Pflanzen, die in den kommenden Monaten Früchte hervorbringen, oder für Gemüse. Gebraucht werden zwei Schweine, eine Sau und ein Eber, damit es im nächsten Jahr junge Ferkel gibt, und damit in fünf Jahren 20 Schweine im Stall stehen – eine dauerhafte Quelle für Essen und eine Ressource, um die Kinder in die Schule zu schicken. Was gebraucht wird, ist Zeit, die man mit den Menschen hier verbringt um sie kennenzulernen, ihre Bedürfnisse zu verstehen und entsprechend zu handeln. Einfach nur Geld zu schicken, um sein Gewissen zu beruhigen – das reicht nicht. Diese kleine und gleichzeitig große Lehre habe ich aus meiner Reise gezogen und mit nach Hause genommen: Wenn wir jemandem helfen wollen, auch im Alltag, müssen wir uns erst die Mühe machen zu begreifen, was dieser Mensch wirklich braucht. Um dann sinnvoll zu agieren. Solche Hilfe ist komplexer und komplizierter und erfordert viel mehr Einsatz. Doch nur so bringt sie wirklich etwas.

Nicolò

www.costafoundation.org
 
 
 
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