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Tags:    Motorräder     Natur     Stille
 
Michil Dienstag, 1 Juni 2010

Von der Zeit - und von den Jahreszeiten

Wie die Zeit verfliegt! Doch halt: was für ein dummer Satz. Die Zeit verfliegt nicht. Die Zeit produziert die Zeit. Wir sind diejenigen, die die Zeit leben. Wenn wir wollen, und wenn wir dazu überhaupt in der Lage sind. Die Stunden sind für den Menschen da, und nicht umgekehrt. Wir sind es, die die Zeit packen, begreifen, nützen müssen. Sind diejenigen, die sie gelegentlich auch ein bisschen verstehen müssen; vielleicht; ab und zu…
Die Jahreszeit, die jetzt eben vorbeigeht – die Zeit der Stille nämlich – ist nicht weniger wichtig als die touristische Ferienzeit.
Von der Zeit - und von den Jahreszeiten
 
Es ist ein bisschen so wie in der Holzbildhauerei: Um eine Figur herzustellen, muss man etwas wegnehmen, nichts hinzugeben. Die Zeit der Stille: Man nimmt Beleuchtung und Krach weg, Schneeraupen und Beschneiungsanlagen. Alles hat seine Zeit jetzt. Man hat Zeit, auf einen Sprung ins Dorf zu gehen, die Zeitung zu lesen, dem Bauern von Planisel zuzuhören, der über die geringen Niederschläge klagt, weil sie nur das harte, dicke Gras wachsen lassen und nicht das feine und zarte, das den glücklichen Kühen so gut schmeckt und ihre Milch fett und wertvoll macht.

Auch vom Leben selbst sollte man hin und wieder ein wenig Oberfläche wegkratzen, abfeilen – nicht bis zum bitteren Ende natürlich, da es ja auch so viel Schönes mittendrin gibt. Das ist übrigens das Schöne an den Dolomiten: Man kommt hierher, mitten im größen Augusttrubel, zwischen aufheulendenden und viel zu schnell fahrenden Motorrädern und schreienden Müttern, die sich aufregen, weil ihr Kind auf der Alm einen harmlosen Ziegenköttel in den Mund gesteckt hat... doch sobald man die Haupttrampelpfade verlässt, entdeckt man die wahre Jahreszeit. Die authentische Jahreszeit, die noch sie selbst ist, die Jahreszeit der Aufrichtigkeit, der Bewusstheit. Auf einmal ist das Denken gar nicht mehr so furchtbar wichtig, man darf sich jetzt von den Wundern der Natur inspirieren lassen. Jenseits der Gedanken, im Schweigen der Bleichen Berge.

In der Jahreszeit, in der die Natur erwacht, steckt auch die Saison des Gastes. Die Füchse sagen sich weiterhin in unserem Garten zwischen den Salatköpfen Gute Nacht – zur großen Freude meiner Mutter-.Und morgens werden wieder die drei Rehe vom Col Alto herunterkommen. Ob auch sie der Duft von Pasquales Heidelbeerpfannkuchen anlockt?
Die Zeit und die Jahreszeiten stellen sich uns zur Verfügung. Was für ein Glück, wird mancher sagen. Ja – es ist ein Glück, das Schweigen genießen zu können, jeden Mittwoch abend in der Stüa de Michil. Sie haben ganz richtig gelesen: Mittwochs wird in der Stüa nicht gesprochen. Das Schweigen verstärkt den Blick und das Lächeln, und auch die Wahrnehmung der Geschmacksnerven. Sie glauben mir nicht? Probieren Sie es aus!
Bis bald – ich wünsche Ihnen und uns schöne Jahreszeiten, aber vor allem ein glückliche, ewige Gegenwart.
 
 
 
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