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Tags:    Ethik     Natur
 
Michil Donnerstag, 3 Januar 2013

Unsere Kirche soll die Natur verteidigen

Sie hat Hexen verbrannt. Sie hat Kreuzzüge angeführt. Hat geurteilt, verurteilt, Gewalt angewendet – und tut es immer noch. Sie hat verletzt, zerstört, gesündigt. Doch heute unterstützt die Kirche zusammen mit der katholischen Welt, mit dem italienischen Unternehmerverband Confindustria und mit dem Fiat-Konzern unter der Leitung des großen Meisters Sergio Marchionne die Rückkehr von Mario Monti in den Palazzo Chigi, den Sitz des italienischen Ministerpräsidenten.
Unsere Kirche soll die Natur verteidigen
 
 
 
Ganz persönlich würde ich mir eine Kirche wünschen, die sich für die Wahrung der Rechte der Natur stark macht.
Corriere dell'Alto Adige vom 03.01.2013

Dieser Einsatz für die Geschicke Italiens ist zwar verständlich, denn die Wahrheit ist, dass wir heute alle von einander abhängen. Italien muss heute zwangsläufig Allianzen schmieden, Waren tauschen, mit den europäischen Partnern auskommen. Unsere Wirtschaft ist an die Logik der gemeinsamen Währung geknüpft, und unser Land hat öffentliche Schulden aufgetürmt, über die schon lange niemand mehr lachen kann. Daher ist internationale Kooperation von grundsätzlicher Bedeutung. Doch der Standpunkt der Kirche ist eine andere Sache. Ganz persönlich würde ich mir eine Kirche wünschen, die sich für die Wahrung der Rechte der Natur stark macht. Eine Kirche, die immer – und nicht nur am 1. September, dem Weltfriedenstag – die Bedeutung des Umweltschutzes mit all seinen ethischen und sozialen Implikationen betont. Die Kirche aber stellt sich auf die Seite der Starken, befeindet Schwule und Lesben, glaubt an den Teufel und identifiziert ihn mit demjenigen, der ihr gerade ins Konzept passt. Diese Kirche jedoch hat kein Recht, sich über die gegen sie gewendeten Angriffe zu entrüsten, denn sie selbst ist es, die solche Feindschaften nährt.
Ich ärgere mich nicht etwa deshalb über die Kirche, weil sie gestern Berlusconi unterstützte und heute offiziell auf der Seite Montis steht. Nein, was ich ihr nicht verzeihen kann, ist ganz generell ihre politische Parteinahme. Auch ihr jüngstes „Endorsement“ führt letztlich nur zu einer Verringerung ihrer eigenen Glaubwürdigkeit.
Die Kirche sollte sich um ganz andere Dinge kümmern. Jahrhundertelang hat sie ganze Völker kolonialisiert und verbreitet noch heute passives Unterstützungsdenken in Afrika. Nicht dass wir uns falsch verstehen, Soforthilfen sind immer willkommen. Doch die Ärmsten in die Abhängigkeit von humanitären Hilfsprojekten zu treiben, nur um neue Gläubige zu gewinnen – und genau das geschieht, wenn man Mehl verteilt, ohne anschließend den Getreideanbau zu unterrichten – dann ist das letztlich nichts anderes als eine Marketingstrategie.
Ich wünsche mir keine Kirche, die in der Politik mitmischt. Ich wünsche mir eine Kirche, die uns bei der Hand nimmt und uns zu Wahrheit und Schönheit führt. Mich interessiert keine Kirche, die Jungfrauen opfert; ich will eine Kirche, die in Afrika Kondome verteilt.
Einer Kirche dagegen, die sich – nachdem sie ihre eigenen Fehler nur teilweise eingestanden hat – offiziell auf die Seite der Hochfinanz und einer politischen Partei schlägt, möchte ich nicht mehr angehören.

michil costa
 
 
 
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