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Tags:    Natur
 
Michil Sonntag, 1 April 2012

Optimismus des Herzens

Der Kapitalismus ist eine Form des Geistes, eine gleichermaßen schöpferische und zerstörerische Kraft, die das Gewissen unterjocht, indem sie alles und alle ausbeutet und vernichtet: die Individuen (als Individuum wird man übrigens nicht geboren, sondern zu einem Individuum entwickelt man sich), die Natur und alles, was zum Gemeinwohl gehört. Guter Kapitalismus kann nur existieren, wenn es auch gute Verarmung gibt. Kapitalismus bedeutet Anhäufung, wirtschaftliches Wachstum. Und dieses Wachstum führt zum Verlangen nach Macht. Aber weder Wachstum noch Macht können unendlich und grenzenlos sein.
Optimismus des Herzens
 
Dies sind einige Gedanken des Wirtschaftswissenschaftlers Serge Latouche; für ihn gibt es nichts Schlimmeres als eine Wachstumsgesellschaft ohne Wachstum. Wenn wir das unkontrollierte Wachstum nicht stoppen – die so häufig gepriesene “nachhaltige Entwicklung” gibt es nämlich nicht – müssen wir notgedrungen ernsthaft an Transhumanismus denken, an die Flucht von diesem Planeten. Werden wir uns daran gewöhnen, in den Ozeanen zu leben?
Oder uns wie Maulwürfe in der Unterwelt zu bewegen, wo wir uns von Red Bull und Energieriegeln ernähren, ja dort sogar unsere Ferien verbringen werden, indem wir nur mit einer Dosis LSD reisen? Verdorben von den produktionsfördernden Ideologien, von einem übermäßigen Energiekonsum, von einer schrecklichen Angst vor der Ausbeutung des Bodens und vor dem “Baufieber” haben wir weder die Zeit noch den Willen in die Zukunft zu blicken, in eine andere Zukunft, mit einer Demokratie, die die Rechte aller bewahrt und einer Umweltpolitik, die unseren armen Planeten schützt. Und doch befinden wir uns in einem ökologischen Notstand.
Wir befinden uns im Krieg und im Krieg muss man einen Feind haben: deshalb zerstören wir die Umwelt und treten jene mit Füßen, denen es
schlechter geht als uns, nur um mit den geringstmöglichen Kosten produzieren zu können.
Aber die Großen der Welt müssen sich um andere Dingen kümmern; Die Mächtigen haben sich dem Gott des Geldes ergeben, die Wirtschaft hat die Politik aufgefressen. Die Lobbies drücken immer mehr aufs Gas und unsere Politiker sind der Meinung, dass sich Umweltschutz im Hinblick auf die nächsten Wahlen nicht auszahle. Der noch einige Jahre andauernde Todeskampf unseres Planeten interessiert hier keinen. Nur wir “Umweltfundamentalisten” hören den Hilfeschrei aus dem Innern der Erde. Doch wehe, man spricht darüber öffentlich oder prangert die Kommerzialisierung unseres Landes und der kleinen Dörfer an, die zwar touristisch erschlossen, dafür aber sich selbst entfremdet und
verschmutzt sind.
Die Großen Südtirols fahren nach Afrika, um ihren guten Ruf wiederzugewinnen. Durnwalders Ausflug nach Burkina Faso ist aber nicht recht viel mehr als ein Lockmittel. In Wirklichkeit gibt Südtirol (bei gleichem Haushalt) fünf Mal weniger als das Trentino für Spenden für Dritte-Welt-Länder aus. Die UNO empfiehlt, mindestens 0,7% des BIPs für Entwicklungshilfe auszugeben. Doch unsere Ausgaben belaufen sich gerade einmal auf 0,01%.
Nein, es ist uns nicht bewusst, dass wir, wenn es so weitergeht, einer autoritären und totalitären Ökokratie entgegengehen: Die Situation wird dann außer Kontrolle geraten, wenn das Wasser langsam knapp wird, das Eis und die Gletscher schmelzen und die fossilen Energieträger aufgebraucht sein werden.
Die noch reicher werdenden Reichen werden über die noch ärmer werdenden Armen herfallen und die Macht ergreifen, die von ausländerfeindlichen Bewegungen, totalitären Organisation und weltweiten Öko-Nazismus gekennzeichnet sein wird. Und die drakonischen Einschnitte in unseren Konsum werden zu noch blutigeren Konflikten führen.
Die nachfolgenden Generationen werden uns verfluchen, weil wir mit unserer Kultur gespielt, die verschiedenen Lebensformen nicht respektiert und das Weiße Gold verschwendet haben.
Auch wenn mir da nur pessimistische Gedanken bleiben, will ich trotzdem wie ein Optimist handeln, denn jede gute menschliche Tat ist für eine soziale und moralische Verbesserung grundlegend. Ihr habt also allen Grund dazu, den Optimismus des Herzens - wie in der berühmten Formel von Gramsci - die Überhand über den Pessimismus der Vernunft gewinnen zu lassen.
Eine Veränderung ist möglich. Eine andere Entwicklung ist wünschenswert. Die Entwicklung muss sich jedoch Grenzen setzen, muss in Maßen geschehen und die menschliche Dimension respektieren. Wir können keine Revolution beginnen, indem wir das kapitalistische Modell, das schließlich für unser Wohlergehen gesorgt hat, vollkommen verleugnen. Aber dieses Entwicklungsmodell muss ganzheitlich an die wahren Bedürfnisse des Menschen und seines Lebensraums angepasst werden. Lebensqualität bedeutet Kultur, Umweltschutz und Schönheit der
Landschaft.
Wir müssen die Dinge mit mehr Sanftmut angehen. Anstatt immer nur von vollen Betten, von Tolomei, von “Ehrenzeichen des Landes Tirol", von
qualitativen Erweiterungen, von Mehr, Luxus und großen Taten (und großen Schäden) zu sprechen, könnten wir öfter Begriffe wie Bildung, Sensibilität,
Traditionen, Ortsverbundenheit, Mäßigung und Harmonie in den Mund nehmen. Wir brauchen mehr Bücher - und weniger Schlager-Festival von
Sanremo.
Das Wichtigste ist es, diesen Weg einzuschlagen... denn in letzter Instanz ist ein neues Entwicklungsmodell eine natürliche Konsequenz, die akzeptiert wird, und nicht auferlegt.
 
 
 
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