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Concetta Bonaldi Dienstag, 16 Juli 2013

Mamma Maria

Sie läuft, sie fährt Ski, sie radelt... Maria Canins ist dauernd in Bewegung, und trotz der Anstrengung wird es ihr nie zuviel. Ihre Berge sind bis heute ihr täglicher Fitnessraum. Voller Stolz zeigt sie ihn den Menschen, die sie beim Radfahren begleitet oder denen sie das Skilaufen beibringt.
Mamma Maria
 
 
 
‚Mama nahm immer alles auf höchst einfache, unverfälschte Art und Weise in Angriff. Bis heute macht sie das so. Nie habe ich erlebt, dass sie wegen einer Niederlage, oder weil sie sich bei einem Sturz verletzt hatte, geweint hätte.‘
Ich bin 1984 in die Volksschule gekommen; es war das Jahr, in dem Mama beinahe an zwei Olympischen Spielen teilgenommen hätte – an den Winterspielen in Sarajevo mit den Langlaufskiern und an den Sommerspielen in Los Angeles mit dem Rennrad. Nach Los Angeles fuhr sie tatsächlich, während sie für die Spiele in Sarajevo nicht in das National-Team berufen wurde – eine Art Racheakt, obwohl sie zu den besten Italienerinnen gehörte und bestimmt eine Medaille gewonnen hätte.
Sie hätte zu den ganz wenigen Sportlerinnen gehört, die im selben Jahr an zwei Olympiaden teilnehmen. Doch Mama braucht keine Bestätigung für ihre Einzigartigkeit. Wer je erlebt hat, wie sie Rennen läuft und Steigungen mit dem Rad praktisch hinauffliegt, weiß das nur zu gut. Die Plackerei hat sie noch nie abgeschreckt, und ob anfangs beim Laufen oder später mit den Skiern und auf dem Fahrrad, immer war sie wie ein D-Zug unterwegs.
Ich kann mich erinnern, wie sie einmal davonsprintete; ich saß im Begleitwagen der Mannschaft, und keiner sonst schaffte es, sie allein war an der Spitze und hielt zügig auf das Ziel zu. Mama nahm immer alles auf höchst einfache, unverfälschte Art und Weise in Angriff. Bis heute macht sie das so. Nie habe ich erlebt, dass sie wegen einer Niederlage, oder weil sie sich bei einem Sturz verletzt hatte, geweint hätte. Von ihr habe ich gelernt, dass Verlieren manchmal Teil des Spieles ist und dass die unmöglichen Ziele manchmal leichter zu erreichen sind als die ganz einfachen. So viele Orte habe ich gemeinsam mit ihr besucht, und wenn ich einmal nicht mitkommen konnte und den Ort nicht kannte, zu dem sie unterwegs war, dann sah ich in meinem Weltatlas nach, der zwar klein war, was mir jedoch zugute kam: Die Entfernungen schienen so kleiner als sie in Wirklichkeit waren. Ich reiste gerne zusammen mit ihr, auch weil wir oft in Regionen fuhren, in denen es wärmer war als in meinem Alta Badia, so dass ich kurze Hosen anziehen konnte.
Von den Rennen erinnere ich mich an die Massen, die sie anfeuerten, sie bewunderten und sie ansahen wie ein ganz außergewöhnliches Wesen. Ob ganz klein oder sehr alt, immer standen viele Menschen um sie herum, baten um ein Foto, um ein Autogramm oder wollten sie einfach nur mal aus der Nähe betrachten. Doch sie blieb dabei stets uneingebildet und bescheiden, so als wäre ihr selbst gar nicht bewusst, was für außergewöhnliche Dinge sie leistete. Nach einem Rennen war es für mich oft schwierig, mich durch die vielen Leute zu ihr hindurchzuarbeiten. Mein größter Moment kam dann, wenn sie mich von der Bühne oder vom Siegertreppchen hochhob und ich dann voller Genugtuung auf all die herunterblickte, die mich vorher nicht hatten durchlassen wollen.
Wenn sie ohne mich unterwegs war, stellte ich alles möglich an: Eines Jahres, als sie gerade dabei war, die Tour de France zu gewinnen, verbrachte ich die Ferien mit meiner Tante in San Remo – und beschloss, mit dem Zug nach Monaco auszubüchsen, um einen Blick auf den Fürsten zu werfen. Als Mama von der Tour de France zurückkam, musste ich ihr erzählen, wie ich vor dem Kommissar von Ventimiglia gestanden hatte und von der Tante abgeholt werden musste. Obwohl ich weder Zugkarte noch Ausweis dabeihatte, kam ich dann doch noch bis nach Monaco – zusammen mit der Tante, die ich von Ventimiglia aus einfach mitnahm.
Das Wichtigste, was mir die Mama mit auf den Weg gegeben hat, ist, dass sie mir vorgelebt hat, wie magisch das Leben sein kann: Wenn du fest an etwas glaubst und es wirklich erreicht willst, dann kannst du es auch erreichen. Auch wenn Hürden und Schwierigkeiten zu überwältigen sind, wenn es Ausdauer, Mühe und manchmal auch den ein oder anderen Sturz bedeutet.

Concetta Bonaldi

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