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Themen:     Ereignisse & Festlichkeiten (27)  
Tags:    Gedanken     Ladinisch     Persönlichkeiten
 
michil Samstag, 1 August 2015

Ladinische Grande Dame: Danke Hilda, dass du uns das Zusammen-Leben gelehrt hast

Jedes Zusammenleben hat einen doppelten Aspekt: das Zusammenleben von uns Menschen – mit unseren verschiedenen Kulturen, Sprachen und Traditionen – und das Zusammenleben von uns und der Natur. Zusammen-Leben bedeutet gemeinsam zu leben, wir inmitten der anderen. Zusammenleben ist also nichts anderes als die uns eigene Dimension des Lebendseins.
Ladinische Grande Dame: Danke Hilda, dass du uns das Zusammen-Leben gelehrt hast
 
 
 
Seit jeher fressen die Großen die Kleinen, sollen sich die Schwachen an die Starken assimilieren. Die Machtgier ist eine Krankheit unserer heutigen Gesellschaft, vielleicht sogar der ganzen Menschheit.
Durch unser Verhältnis zur Natur, mit der wir zwangsläufig zusammen-leben, können wir unsere eigene Dimension finden. Die Natur ist nichts, was sich außerhalb von uns befindet oder mit uns nichts zu tun hat: Die Natur ist in uns. Die Natur, das sind wir und die Dinge.
Die Ureinwohner Amerikas waren schockiert von der Tatsache, dass die Weißen ihr Land wollten. Wie kann man, dachten sie, sich anmaßen, ein Stück Land besitzen zu wollen, wenn wir Menschen doch selbst Teil dieses Landes sind? Der Eroberungsgedanke ist eine obsessive Konsequenz des Besitzgedankens. Wir leben in einem Widerspruch: Wir wollen auf dieser Erde leben, aber wir wollen sie besitzen. Und das bedeutet Eroberung, Zerstörung, Gewalt, Unterdrückung. Entweder fangen wir endlich damit an, das Verhältnis zwischen uns und der Natur zu harmonisieren indem diese beiden Dimensionen zusammenleben können, oder unsere Zukunft wird der Tod sein. Nicht der Tod des Einzelnen, sondern der Tod der ganzen Menschheit. Uns, unsere Mitmenschen und die Natur verbindet eine unzerstörbare Fessel. Wenn wir sie zerreißen, vernichten wir uns selbst.
Jede Ehe verbindet zwei Menschen. Es ist vom anderen, dass ich zu hören bekomme: „Erzähle mir von mir“. Es ist der andere, der mir ein Gefühl von Zugehörigkeit schenkt, der mir meine Wurzeln bewusst macht.
Ich habe ladinische Wurzeln. Und das führt zu einer Geschichte, die so beginnt: Eines Tages Anfang 2008 klingelt das Telefon, es ist die Grande Dame der Ladiner, Hilda Pizzinini. Ich springe aus dem Sessel – was mag sie von mir wollen? „Michil, du solltest für den Vorsitz der Union Generela di Ladins kandidieren, die kulturelle Dachorganisation aller ladinischen Täler.“ „Giulan“, antworte ich. „Vielen Dank, Hilda. Ich bin wirklich gerne Ladiner, und auch wenn es nicht mein Verdienst ist, so mag ich unsere kleine ladinische Welt sehr. Doch ich besitze weder das Wissen noch die Fähigkeit, die Union Generela zu leiten.“ „Gut“, antwortet Hilda. „Wir sehen uns heute Nachmittag bei mir zuhause.“
So beginnen meine recht häufigen Treffen mit Hilda. Wir verbringen lange Nachmittage, an denen sie mir die Probleme Ladiniens erklärt und seine Möglichkeiten aufzeigt, in denen sie mich formt, mich lehrt, mich prägt. Jedes Mal betont sie, wie schwierig es sei, „mit Bozen“ zu kommunizieren. Seit jeher fressen die Großen die Kleinen, wird erwartet, dass sich die Schwachen an die Starken assimilieren. Die Machtgier ist eine Krankheit unserer Gesellschaft, vielleicht sogar der ganzen Menschheit. Im Oktober 2008 werde ich zum Präsidenten gewählt. Mit Hilda treffe ich mich auch weiterhin, offiziell und inoffiziell.
Ihr hat Ladinien seinen Identitätsschub zu verdanken, der extrem wichtig war für das Wachstum dieses kleinen Volkes, das zu lange schon daran gewohnt war, dass sich Diskussionen und Beziehungen immer nur um den wirtschaftlichen Aspekt drehen. Das dazu neigte, die Last aus der Vergangenheit, die erlittenen Ungerechtigkeiten und Übergriffe, zu vergessen. Wie etwa die ungerechte Drittelung Ladiniens, beschlossen im Jahr 1923 von einem Regime, das unsere ladinische Identität auslöschen wollte. Hilda Pizzinini hat immer für die Einheit Ladiniens gekämpft, das bis heute in drei Provinzen und zwei Regionen aufgesplittert ist. Sie hat immer die Bedeutung einer einheitlichen Schriftsprache gepredigt, die die verschiedenen Täler zusammenhalten würde. Sie hat stets gegen die Taubheit von uns Ladinern angerufen, diesem Volk, das bis heute aufsplittert ist, jeder in seinem Teil mit seiner eigenen ladinischen Sprache. Lauter kleine, aufgeteilte Völkchen. Taub und desinteressiert. Wichtiger erscheinen uns doch immer die touristischen Ergebnisse. Die Kubaturerweiterung eines Hotels finden wir spannender als unsere eigene Sprache. Es gibt noch viel zu tun.
Nun hat Hilda uns verlassen. Ein großartiger Mensch ist nicht mehr unter uns. Doch sie lässt uns nicht alleine. Wir haben ihr Erbe, ihre Hinterlassenschaft – wir haben die Werte, die sie uns vermittelt hat. Wir haben ihre Hartnäckigkeit, die uns hilft, uns nicht von den großen Mächten zerdrücken zu lassen. Wir haben ihre Stärke, die uns den Mut gibt, den Kopf auch dann zu heben, wenn die ganze Welt gegen uns zu sein scheint. Hilda ist jetzt im Paradies. Ist hoch in den Himmel geflogen. Und ich muss an Kleines Blatt denken, die Indianerin, die geschrieben hat: „Für euch weiße Menschen liegt das Paradies im Himmel. Für uns ist die Erde das Paradies. Als ihr uns das Land gestohlen habt, habt ihr uns das Paradies genommen.“ Und dann denke ich, dass ein Teil von Hilda noch hier unter uns ist, in diesem Land aus Felsen und Flüssen, aus Bäumen und Wiesen, aus Tieren und Menschen, die eine gemeinsame Sprache verbindet – die Sprache des Respekt und des Zusammen-Lebens. Und dann erhebe ich den Blick wieder zum Himmel und schicke Hilda einen Gruß, über die Berge, über die Wolken und über die Weite des Himmels hinweg.

michil costa
 
 
 
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