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Themen:     Rücksicht & Rechte (25)  
 
Lisa Dienstag, 25 November 2014

In Afrika mit der Costa Family Foundation

Zwei Jahren sind seit meinem Besuch in Togo vergangen, und der Wunsch, dorthin zurückzukehren, wird immer stärker. Mir fehlt vor allem das Lachen der Menschen – hier bei uns erlebe ich das kaum. Und mich ärgern Leute, die aus jeder Kleinigkeit ein Problem machen. Die kann ich nicht ertragen. Am liebsten würde ich sie nach Afrika schicken – und zwar ohne Rückfahrkarte.
In Afrika mit der Costa Family Foundation
 
Lomé. Togo. Afrika. Ein Tag wie jeder andere. Eines der Mädchen aus dem Dorf hat eine allergische Reaktion auf ein Antibiotikum. Es schreit vor Schmerz, kratzt sich die juckende Haut auf. Ab ins Krankenhaus. Dort teilt uns die Schwester mit, dass wir erst selbst das Zubehör für die Blutabnahme besorgen müssten. Sprachlos starre ich Maristella an. Die sagt mir, ich solle bei der Kleinen bleiben, sie würde in die Apotheke gehen. Das Mädchen fängt wieder zu weinen an. Wir setzen uns auf eine Holzbank. Ich beobachte das Gewimmel der Kranken, die die Notaufnahme bevölkern, weil sie Hilfe brauchen. Nur wer eine Gebühr bezahlt hat, wird untersucht. Der Krankenschwester muss man selbst die sterilisierten Gummihandschuhe mitbringen, sonst kommt man nicht an die Reihe. Nach einer halben Stunde ist Maristella wieder zurück, mit Wattetupfer, Handschuhen, Desinfektionsmittel und Nadel. Wir gehen in ein enges, finsteres Zimmerchen mit einer wortkargen Krankenschwester. Das Mädchen ist völlig erledigt vom Weinen, von den Schmerzen. Das Blut wird abgenommen, dann die traurige Überraschung: Eine Magenspiegelung ist nötig. In einem anderen Bereich des Krankenhauses, von dem nicht mal die Schwester weiß, wo er genau liegt. Maristella trägt das Mädchen auf den Schultern. Ein Teil des Krankenhauses befindet sich außerhalb, dort drängen sich die Verwandten der Kranken, die wegen der großen Entfernung nachts nicht nach Hause können und sich hier mit Decken, Kissen und Töpfen einrichten. Sie verpflegen und waschen ihre kranken Angehörigen, weil diese in der Klinik nur medizinische Betreuung erhalten, sonst nichts. Nach langem Suchen finden wir den Arzt, und für das Mädchen beginnt eine lange Tortur. Schreien, Weinen und große Angst. Der lange Schlauch im Hals würgt sie, sie bekommt ihn nicht herunter. Doch es muss sein; ohne Magenspiegelung lässt sich nicht feststellen, welche Medikamente sie braucht. Maristella verspricht ihr ihr Lieblingsgericht „Fufú“ für nach der Untersuchung, und geröstete Maiskolben. Doch das Schreien geht weiter, und ich glaube, ohnmächtig zu werden. Draußen im Korridor laufe ich hin und her, zitternd vor Aufregung, vor der glühenden Hitze. Ich zittere wegen dieses Gefühls der Machtlosigkeit angesichts des leidenden kleinen Mädchens. Dann breche ich in ein befreiendes Weinen aus. Und weiß auf einmal, dass das mein letzter Besuch hier gewesen sein wird. Vielleicht ist Afrika einfach nichts für mich, vielleicht kann meine Seele eine so harte Realität nicht aushalten. Nach einer halben Stunde kommt auch Maristella heraus – sie haben es geschafft! Wir steigen ins Auto, die Kleine schläft erschöpft auf dem Rücksitz. Unterwegs holen wir „Fufú“ und geröstete Maiskolben, deren Duft das Mädchen aufweckt. Es lächelt. Isst etwas. Anschließend bringen wir einer Frau noch eine Brille vorbei, die mit dem Container aus Italien gekommen ist. Bis zu diesem Moment konnte diese Frau so gut wie nichts sehen. Noch ein Halt in der Apotheke, wo wir das neue Antibiotikum für das Mädchen abholen, dann endlich ins Dorf zurück. Es ist bereits dunkel. Die freiwilligen Helfer des Dorfs haben mit dem Essen auf uns gewartet. Ermattet setze ich mich an den Tisch: Es stimmt nicht, dass Afrika nichts für mich ist. Ich kann nicht vergessen, was die Tausende Kinder, denen ich unterwegs begegnet bin, was die zufriedenen Gesichter der Mütter aus der Kinderarzt-Sprechstunde, was ihre Dankbarkeit gegenüber den Freiwilligen, die hier überall und für alle etwas zu tun versuchen, was das alles in mir ausgelöst hat. Statt Schwäche spüre ich jetzt Überzeugung: Hierher werde ich zurückkehren, ich weiß es genau.

Lisa Campagnolo
 
 
 
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