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Themen:     Kultur & Tradition (13)    Natur & Umwelt (35)  
Tags:    Dolomiten     Natur     Südtirol
 

Im Mythos schreiben

 Als mir angetragen wurde, die Geschichte des Untergangs des Fanes-Königreichs neu und anders aufzuschreiben, war mein erster Gedanke, dass ich auf keinen Fall den Lockungen des Fantasierens auf den Leim gehen dürfte. Und dass ich stattdessen den Königsweg der Vorstellungskraft gehen müsste.  


Im Mythos schreiben
 
 
 
„Mythen helfen uns, mit der dunklen Seite zurecht zu kommen.“


Denn in der Tat besteht ein großer Unterschied zwischen Fantasieren und Vorstellen. Fantasien zu haben, mit offenen Augen zu träumen, bedeutet die eigenen Ideale, Erwartungen und Erinnerungen in eine Parallelwelt zu übertragen.
Im Gegensatz dazu ist die Vorstellungskraft die Art und Weise, mit der die Kultur auf tieferer Ebene agiert. Über Bilder verbinden wir uns mit der Vergangenheit.
Unser Bewusstsein des Hier und Jetzt, der Zugehörigkeit zur Welt basiert weit weniger auf Worten als auf Bildern.
Wer, wenn nicht „Ey de Net“, das Nachtauge, könnte uns daher aus der Welt des Scheins herausführen und unter dem teils leuchtenden, teils flüchtigen Blick des Mondes das Spiel des Lebens bis zum bitteren Ende spielen?
Wie spricht doch gleich die Erle im Kapitel „Auf Reisen“? „Die Zauberei kann die Zeit nicht ändern, sie kann sie nur erzählen. Wer sie anders benutzt, wer sich ihrer einfach nur als Mittel bedient und nicht versteht, dass sie selbst ein Teil des Gesangs der Dinge ist, der richtet sie gegen sich. Dein Herz ist verletzt? Es blutet so wie diese Rinde hier? Nichts geschieht aus Zufall. Warte auf die Nacht, wenn du sehen willst.“
Und so können wir sagen, dass es genau der Gesang der Dinge ist, der das Fadenknäuel des Mythos entwirrt.
Aus Leben entsteht Leben, auch wenn es in jedem Moment vom Tod hofiert wird. Mythen helfen uns dabei, mit der dunklen Seite zurecht zu kommen und die bruchstückhafte Zeit der Existenz auf andere Art wahrzunehmen, auch wenn der Mythos selbst keine Entschuldigungen bietet.
Die versprochene Zeit hat ein Ende, und nichts kann sich dem Untergang des Königreichs entgegenstellen, wenn der Kreis einmal geschlossen ist.
Die einzige zugestandene Freiheit in dieser Zeit vor der Zeit, die den ladinischen Dolomiten-Sagen als Hintergrund dient, besteht darin, die Zeichen zu erkennen, mit denen die große Göttin den Lauf der Dinge destabilisiert.
So gesehen, wird der Schicksalsergebenheit die Rolle als alles entscheidendes Menschheit-Gefühl zuteil.
Nur wer denkt, er sei davon nicht betroffen, wer engstirnig an den eigenen exklusiven Willen glaubt, ist zum schändlichen Untergang verdammt. Genau das ist ja dann auch das Schicksal des falschen Königs. Falsch, nicht weil er ein Lügner wäre, sondern weil er mit dem Schicksal nicht einverstanden ist.

Nicola Dal Falco
 
 
 
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