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Tags:    Natur     Sassongher     Schönheit
 
michil Mittwoch, 1 Oktober 2014

Herbst – die Hochsaison

In diesen Tagen, in denen die Saison ausklingt, bläst der Wind aus Norden. Die Lärchen wiegen sich in einem vielfarbigen Tanz, der von Goldgelb über helles Zinnoberrot bis hin zu einem dunklen Ockerton reicht.
Herbst – die Hochsaison
 
Heiteren Wind nennen wir ihn hier bei uns, „vënt da sarëgn“. Der Südwind dagegen heißt „vënt da rodus“, krummer Wind. Er bringt Regen und Schnee.
Oktober ist der Monat des heiteren, des schönen Windes. Es ist eine schöne Jahreszeit, eine Art Hochsaison der Sinne, auch wenn wir sie fälschlicherweise Nebensaison nennen. Im Wald ist alles in Bewegung, befindet sich in einem immerwährenden Tanz. Tannenäste, die sich wie Verliebte spielerisch einander drücken, bis die Zapfen zu Boden fallen. Am liebsten mag ich die Zirbelnüsse. Als ich ein kleiner Bub war, kletterten wir oft bis ganz nach oben in die Baumwipfel, um sie zu pflücken: saftige Nüsschen, die man in der Pfanne rösten konnte, bis sie knusprig wurden. Sie schmeckten köstlich. Ich liebte ihren harzigen Duft und trug immer ein paar in meinen Taschen mit mir herum, als wären es kostbare Steine. Und wie sie mir heute noch gefallen!

Szenen aus Vergangenheit und Gegenwart, abgespielt in einer Art Natur-Kino, in dem wir noch echten Kontakt mit uns selbst, mit unserer Natur haben. Einer Natur, die sich manchmal auflehnt. Es ist schmerzlich zu sehen, wenn Lawinen Bergdörfer von der Umgebung abschneiden und wenn Menschen den Bergen zum Opfer fallen. So schmerzlich wie der irre Fortschrittswahn, der sich unerschrocken und unaufhaltsam seinen Weg bahnt. Vielleicht wäre so viel Schönheit ohne Mängel ja auch einfach gar nicht auszuhalten. „Uns ist er nicht möglich, der Blödsinn der Vollkommenheit“, hat die außergewöhnliche Dichterin Szymborska geschrieben. Schon Aristoteles hatte behauptet, dass es Erbarmen und die Angst vor der Tragödie sind, die uns läutern. Zu unserer Welt, zu unseren Leben gehört alles dazu. Das eine kann ohne das andere nicht existieren.

Ich mag unsere Täler, wenn viel los ist, wenn viele Menschen und Autos unterwegs sind. Aber lieber sind mir die Jahreszeiten mit wenigen Touristen. Dann lasse ich mich stärker von den Felsgipfeln der Dolomiten faszinieren, dann kann ich an ihrer majestätischen Natur besser teilhaben. Jeden Tag entdecke ich neue Ansichten, unentdeckte Winkel, unerhörte Laute. Unerhört im Sinne von nie zugehört. Oder weil sie neu sind in meinem Einsatz für Mutter Natur.

Manchmal wundere ich mich, dass die Bilderfolge im Fernsehen, auf Youtube oder in den Tweets so unglaublich schnell sein kann. Ihr Rhythmus ist unerträglich, die Zeit reicht gerade für eine flüchtige Instant-Emotion, viel zu kurz, als dass sich ein Gedanke formulieren könnte, der so lange im Kopf bliebt, bis man ihn halbwegs verinnerlicht hat.

Vielleicht liegt ja der wahre Unterschied zwischen den herzzerreißenden Bildern im TV und der Schönheit der Dinge in Natur nicht in dem, was wir sehen, sondern wie wir etwas beobachten. Wenn ich hier bei mir zuhause aus der Tür gehe, das Sellamassiv zu meiner Linken und den Sassongher vor mir, dann kann ich stehenbleiben, aufnehmen, nachdenken. Ich habe Zeit genug, um mich von den Dingen vereinnahmen zu lassen. Die Bilder in den Social Media dagegen sind viel zu schnell. In ihrer irrsinnigen Dramatik erschüttern sie mich zwar, doch das dauert nur einen Moment, ist bloß eine kurze Vibration, ein Beben. Ich weiß auch nicht, ob das nun gut oder schlecht ist. Doch eines ist mir klar: Der Oktober in den Bergen ist das Gegenmittel zur täglichen Bilderflut. Er ist jenes Gefühl von Frieden, das wir brauchen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Und das ist der Grund, warum die Nebensaison zur Hauptsaison wird – für unsere Sinne. Weil wir da wieder zu uns selbst zurückfinden. All unsere Sinne öffnen sich der Wahrnehmung. Eile mit Weile, heißt die Devise, wie schon die alten Römer mit ihrem „festina lente“ wussten. Es ist die Zeit der Langsamkeit, auch wenn sie nicht lange dauert. In der wir uns aus der zunehmenden Beschleunigung aller Dinge ausklinken, aus dem entfesselten Tempo, der pausenlosen Vernetzung mit allen und allem, und sei es auch nur für eine begrenzte Zeit. Langsam sein heißt nicht faul sein, im Gegenteil: Langsamkeit steht für Achtsamkeit und Präsenz. Langsamkeit in den Bewegungen, im Atmen, beim Sprechen. Beim Denken. Beim Beachten der kleinen Dinge. Ohne Angst und ohne zu zögern. Indem wir uns um uns selbst kümmern, die Dinge im Kopf langsam verarbeiten und uns so den längeren Genuss schenken.
Laden wir uns in diesem Herbst zu einer langsamen Flucht ein. Erfüllen wir uns diesen permanent vorhandenen Wunsch nach Entdeckung und Eroberung, diese Lust auf Freiheit, die in jedem von uns steckt. Auch für uns, die wir hier leben, kommt der Moment, in dem wir in die Berge gehen wollen, achtsam, aber ohne zu zögern. Wir müssen ja ein gutes Beispiel geben! Und auch ich, der ich heute, unter diesem klaren Herbsthimmel, schon so viel zum Thema Langsamkeit geschrieben habe, auch ich Glückspilz werde jetzt dann gleich mal über den Flur gehen, in ihr Büro, ihre Hand ergreifen und ihr sagen: „Giovanna, gehen wir auf den Col Alto“.
Ihnen einen guten Herbst!^

Michil Costa

Das Berghotel Ladinia ist für die schöne Herbstzeit, bis zum 02. November von Mittwoch bis Sonntag, offen
 
 
 
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1 Kommentare zu dieser Geschichte
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