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Themen:     Sport & Gesundheit (16)  
Tags:    Maratona dles Dolomites     Natur     Radsport     Stille
 
Michil Sonntag, 1 August 2010

Es lebe die friedliche Bergwelt!

Von kurzem ist die Maratona dles Dolomites 2010 zu Ende gegangen - ein großer Erfolg. 25.000 Anmeldungen, 8789 Teilnehmer, sechs Stunden Liveübertragung im Fernsehen. Es erfüllt mich mit Freude und Stolz, diese Veranstaltung organisieren zu dürfen. Und natürlich fragt man sich: Wie schaffen diese Sportler es nur, über Stunden hinweg in die Pedale zu treten – sind das alle Supermänner und Superfrauen? Nein, sind sie nicht.
Es lebe die friedliche Bergwelt!
 
All diese Teilnehmer haben sich ein hohes Ziel gesetzt: Herr über ihre eigene Zeit zu bleiben. Sie müssen trainieren, beharrlich dran bleiben. Sie behalten die Kontrolle und lassen sich nicht verheizen. Sie lassen sich nicht von der Zeit knechten, sondern nutzen sie als Verbündeten, als wertvollstes Gut überhaupt – ein Juwel, das sie voller Enthusiasmus betrachteen. Enthusiasmus ist unabdingbar. En-theos, die Besessenheit durch Gott. Das Bewusstsein des Göttlichen, das in uns steckt. Das Fahrrad erfordert beides: Enthusiasmus und Zeit. Die Radler müssen beständig sein, müssen sich motivieren, den Lenker packen und losfahren.

Wenn die Radler erst einmal im Sattel sitzen, ändert sich ihr Leben. Sie müssen sich vor niemandem mehr rechtfertigen, niemanden mehr austricksen und sich auch selbst nicht mehr austricksen lassen. Von nun an geht es nur mehr um Muskeln, Kopf, Herz. Worte zählen nicht mehr. Von jetzt an macht das leisen Rauschen der Kette die Musik, und das einzige wahre Geräusch ist der Atem, der aus dem Tank strömt: den Lungen, dem Motor der Radfahrer.

“Ich werde mir meiner selbst bewusst, meine Gedanken fliegen frei, der Alltag löst sich in Nichts auf, jeder Tritt in die Pedale bedeutet ein Problem weniger und eine Gelegenheit mehr. Ich bin endlich Herr meines Willens. Keiner will mehr etwas von mir, keiner raubt mir meine Zeit, bedrängt und nervt mich. Und an die Welt habe ich nur noch eine einzige Frage: Schaffe ich den Königspass, den Passo Giau?
Ich fühle mich so frei! Beim Fahren fällt mein Blick auf die Schönheiten dieser Berglandschaft. Auf die Felsnadeln, auf diese noch verschneiten Rinnen, die wie die Zungen von Dolomitenriesen aussehen. Auf diese nassen Schluchten, die von längst vergessenen Gletschern geformt wurden. Nur sie sind Zeugen meiner beschränkten Zeit. Dann diese Gipfel, von den Eingeweiden der Erde von Millionen Jahren hervorgepresst. Und immer noch wachsen sie, bewegen sich unaufhaltsam. Doch meine Zeit reicht nicht, um ihre Bewegungen zu spüren. Ich bin nur ein kleiner Mensch, ungeschützt und mit begrenzten Möglichkeiten, doch gegenüber solch großer Schönheit fühle ich mich unbeschwert. Solche Heiterkeit ist der Himmel, unter dem alles blüht. Wie eine Blume fühle ich mich. Dieser großartige Natur ist meine große Mutter. Nein, ich werde nicht altern. Nur mir selbst werde ich immer ähnlicher.

Was phantasiere ich da eigentlich vor mich hin? Liegt es an der Erschöpfung oder hat mich diese zauberhafte Welt ganz trunken gemacht? Während ich die Bleichen Berge betrachte, scheint es mir, als ob auch sie sie mich betrachteten. Als ob sie mich in ihren Schoß aufnähmen.
Anders als ich haben die Berge keine Motivation. Die Formen, in denen sie sich ausdrücken, durchdringen mich. Inspirieren mich. Ich gebe es auf, verstehen zu wollen. Höre auf zu denken - ob es am Absinken des Zuckerspiegels liegt? Ich will nur noch radeln. Schweigend. Und diesen so immensen, intensiven Moment genießen. Diesen ewigen Moment des Glücks. Denn nichts anderes ist es – wahres Glück.”

Es lebe die friedliche Bergwelt! Und es lebe jeder Gast, der kommt, um sich durch diese Welt still und behutsam zu bewegen.Ich verspreche Euch: In nicht allzuferner Zeit wird es uns gelingen, die Dolomitenpässe zu schließen – teilweise, zu bestimmten Uhrzeiten, für eine bestimmte Dauer. Schon vor zehn Jahren habe ich das verlangt – und wurde als Spinner abgetan. Doch die Zeiten haben sich geändert. Und ohne den lästigen Lärm der Motorradfahrer, ohne den unablässigen Verkehr wird das Glück in den Bergen nicht nur wahrhaftig sein, sondern von Dauer. Für Ihr, die Ihr hier Ferien macht und für uns, die wir hier leben.
 
 
 
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