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Manuel Dienstag, 10 Mai 2016

Ein Leben in Niger

Sekou kam am 8. Januar in St. Ulrich an. Jetzt hat er im La Perla zu arbeiten begonnen. Er bügelt und hilft Stefan dabei, das Mittagessen für die Mitarbeiter zu kochen, die auch dann in der Casa arbeiten, wenn es für Gäste geschlossen ist.
Ein Leben in Niger
 
 
 
"Sekous Geschichte erzählt vom Überleben. Ihre Anfänge liegen im Elend. Doch dann entwickelt sich Hoffnung in ihr. Eine Hoffnung, die nicht nur eingebildet ist."
Dies ist die Geschichte eines Immigranten. Aber auch eine Geschichte von Armut, Sklaverei, Krankheit und Krieg. Eine Geschichte wie viele andere, leider, doch eine, die sich zum Positiven wandelt. Allein schon glauben zu dürfen, einen Hoffnung haben zu dürfen, sich eine Zukunft vorstellen zu dürfen, ist viel, sehr viel. Diese Geschichte hat einen Namen, Sekou, und einen Ort, an dem alles angefangen hat, das Land Niger. Sekou ist ein 35jähriger Mann. Ein geselliger Typ, der sich leicht und sicher bewegt, obwohl er seine Eltern und seine Schwester verloren hat. Obwohl er es mit den Tuareg bis nach Libyen geschafft hat und von dort auf einem der zahlreichen Flüchtlingsboote, die täglich in See stechen, bis an unsere Küsten. Seine Eltern haben ihn und seine Schwester verlassen, als die Kinder noch klein waren, um in einem anderen Dorf ihr Glück zu versuchen. Als Sekou größer wurde, machte er sich nach ihnen auf die Suche. Und musste entdecken, dass seine Mutter gestorben war, während sein Vater von einem der Dorf-Befehlshaber in die Sklaverei gezwungen worden war. Weitere Jahre zogen ins Land. Sekous Vater starb, dann auch seine Mutter, Sekou hatte nun gar nichts mehr. Er versuchte, irgendwie über die Runden zu kommen, arbeitete als Schweißer, doch es reichte hinten und vorne nicht. Die Armut, das Elend, das Wissen darum, dass er keine Zukunft hatte, ließen ihm keine Hoffnung. Und wenn es keine Hoffnung gibt, dann muss man sich auf die Suche nach ihr machen. Auch wenn sie an Orten zu finden ist, von denen man noch gar nichts weiß. Auch wenn der Weg dorthin lang ist, sehr lang. Und wenn man auf diesem Weg Gefahren aushalten muss, Erniedrigungen und Gewalt aller Art. Wenn ich an das Leben von Menschen wie Sekou denke, dann kommt es mir vor, als wäre das Leben eine Unbekannte, die ganz dem Zufall überlassen ist. Der Staat Niger gehört, gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, zu den ärmsten zehn Ländern der Welt. Die Armut ist überall mit Händen zu greifen. Zwei Drittel des Staatsgebiets sind Wüste. Niger ist eine ehemalige französische Kolonie und heute eine präsidentielle Republik. Die Kindersterblichkeit ist unglaublich hoch: nur 248 von 1000 Kindern überleben die ersten Jahre. Die Ursachen liegen in der unzureichenden Ernährung und den prekären Gesundheitsbedingungen. Nichtsdestotrotz ist die Geburtenrate extrem hoch; sie liegt bei 7.2% Geburten pro Frau und ist dafür verantwortlich, dass fast die Hälfte der Bevölkerung Nigers, nämlich 49%, weniger als 15 Jahre alt ist. Noch eine erschreckende Zahl: Man geht davon aus, dass sich die Bevölkerung Nigers bis zum Jahr 2040 verdoppeln wird. Ich weiß das alles, weil ich einen Teil des Hotels meiner Eltern in St. Ulrich in ein Heim für politische Flüchtlinge umgewandelt habe, entsprechend einem Plan der Provinz Bozen. Das hat in diesem Winter für jede Menge Diskussionen gesorgt, die sind zum Glück vorbei. Ein Sturm im Wasserglas. Egal – vorbei. Sekou kam am 8. Januar in St. Ulrich an. Jetzt hat er im La Perla zu arbeiten begonnen. Er bügelt und hilft Stefan dabei, das Mittagessen für die Mitarbeiter zu kochen, die auch dann in der Casa arbeiten, wenn es für Gäste geschlossen ist. Als ich Sekou gestern von St. Ulrich nach Corvara gefahren habe, habe ich mich gefragt, wie wohl die Dolomiten auf ihn wirken. Ich habe mich auch andere Dinge gefragt, während ich ihm zuhörte, ohne viele Antworten zu bekommen. Vielleicht muss man ja auch nicht immer nach Antworten auf alles und jedes suchen. Vielleicht wollen wir deshalb immer alles rational einordnen, um unsere Unsicherheiten zu überdecken. Was dagegen wirklich wichtig ist, ist Konkretes. Dass man zum Beispiel arbeiten muss, um ein Visum für ein neues Leben zu bekommen. Das ist nicht wenig in meinen Augen. Es ist das Minimum.

Manuel
 
 
 
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