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Themen:     Natur & Umwelt (35)  
Tags:    Corvara     Dolomiten     Landschaft     Winter
 
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Haig Barclay Montag, 7 Oktober 2013

Ein Brite auf Skiern - in Corvara

Geboren bin ich in Liverpool, zur Uni gegangen in Manchester, und gearbeitet habe ich – jedenfalls am Anfang – in London. Lauter große Städte. Und jetzt möchte ich Ihnen von meiner Liebesgeschichte mit Corvara erzählen. Meine ersten Eindrücke von Corvara waren nicht unbedingt sehr vorteilhaft. Über eine tückische Brücke zu trotten, schmerzende Stiefel an den Füßen, und umständlich mit unhandlichen Skiern herumzuhantieren, war nicht das, was man sich als Skifahrer so wünschte, aber so war es damals, als die Sellaronda – die klassische Dolomiti-Superski-Tour mit Überquerung vierer Pässe – noch in den Kinderschuhen steckte. Wenn ich mein geliebtes Alta Badia Skigebiet erreichen wollte, gab es keinen anderen Weg. Manchmal fürchtete ich mich regelrecht vor Corvara.
Ein Brite auf Skiern - in Corvara
 
 
 
„Wie sich die Perle der Dolomiten vom ungeliebten Transfer-Ort für Sellaronda-Fahrer in die Königin der Herzen verwandelte.“
Wenn ich etwa am späten Nachmittag wieder zurückwollte, trug allein die Vorstellung, wieder durch Corvara hindurchzumüssen, den Gedanken an mögliches Scheitern schon in sich, denn dazu gehörte die oft eisige Fahrt mit dem Skilift hinauf zum Grödner Joch. Allein der Gedanke an den Grappa, den sie in der Hütte gleich vor dem Pass servierten, ließ uns unerschrockene Skifahrer durchhalten.
Umso erfreulicher ist es heute, an die harten Zeiten von damals zurückzudenken und sich eines Corvaras zu erfreuen, das mittlerweile zu einem geliebten Mittelpunkt meiner Dolomiten-Tage geworden ist. Natürlich haben Glück, die Segnungen der Natur und der Ursprung der hier heimischen Bergbewohner dazu beigetragen, dass Corvara ein echtes Herz der Dolomiten ist sowie – wie wir gleich feststellen werden – eine wahre Perle von einem Ort. Weder ist es ein von finsteren Gebirgswänden bedrängtes ungemütliches Straßendorf noch hat es sich, im Unterschied zu anderen Gebirgsorten, in einen lärmenden Transit-Ort für den Urlaubsverkehr verwandelt.
Corvara hat einen richtigen Ortskern und erfreut sich seiner Lage im von Bächen durchflossenen Talgrund. Seine modernen Chalet- und Hotelbauten ergänzen sich harmonisch mit den blumengeschmückten Balkonen alter Bauernhäuser. Und überall ist Platz! Es gibt Platz auf dem Bürgersteig und Platz in unmittelbarer Nachbarschaft, Platz um an den Flussufern entlang zu spazieren oder durch die Nebenstraßen zu wandern, wo mehrere Boutiquen und noch mehr Delikatessen-Läden die gute Laune ankurbeln. Außerdem befinden wir uns in Ladinien. Ich überlassen es Ihnen, mehr über dieses stolze Gebirgsvolk herauszufinden und belasse es hier bei der Feststellung, dass Ladiner oft viersprachig aufwachsen. Das führt zu einer natürlichen Prädisposition für das Gastgewerbe sowie zu einer Anmut und Freundlichkeit, um die wir sie nur beneiden können.
Manchmal könnte man direkt vergessen, dass Corvara ein wichtiger Verbindungspunkt zwischen mehreren Ski-Tälern ist, und möchte glauben, diese idyllische Oase sei vielmehr von göttlicher Hand erschaffen worden. Denn es ist keineswegs so, dass das Auge überall auf Skilifte und gewaltige Stahlkonstruktionen stößt. Die Verbindungslifte liegen alle in den Außenbezirken des Ortes, und die einzige nennenswerte Stahlkonstruktion ist das Eishockeystadion, das für den alpinen Lebensstil natürlich ein Must ist. Das Ergebnis ist eine Mischung aus touristischen Grundlagen, die weder hässlich sind noch dem Auge weh tun. Man nehme nur das Auskunfts-Büro – eine Mischung aus Raum, Design und ladinischer Service-Mentalität, die den Gast sich einfach wohlfühlen lässt. 
Besonders sind aber auch die Attraktionen, die Ihren Winter- oder Sommerurlaub hier aufwerten: Gebirgsexkursionen auf allen Niveaus, Unterhaltung im Dorf, traditionelle Kulturveranstaltungen, jede Menge Gasto-Events, Märkte und Shopping-Extravaganz. Wenn Sie den Blick schweifen lassen, sehen Sie die romantisch wirkenden Bergbauernsiedlungen in den steilen Almwiesen und weiter oben die Gipfel und Wände der Dolomiten, und dann erkennen Sie, was für Möglichkeiten Sie hier haben. Man muss kein kühner Abenteurer sein, um das Gebirge genießen zu können – der nur sanft gewellte Talgrund erlaubt gemütliche Waldspaziergängen zu den Wasserfällen bei Colfosco, oder man wandert auf schattigen Pfaden am Flussufer entlang in Richtung La Villa. In Nullkommanichts gelangt man aber auch hoch hinauf zu den „echten“ Bergpfaden, und viele Besucher stellen erfreut fest, dass auch Familien und ältere Menschen hier oben Wanderungen unternehmen können, die herrliche Ausblicke in 360 Grad ermöglichen.
Bei einem Spaziergang durch Corvara selbst dagegen fällt die ausgewogene Mischung der Geschäfte und Angebote auf. Allgemein ist der Ort nicht so trendy wie Cortina und weniger international als Wolkenstein, auch nicht so voll wie St. Ulrich und so skifokussiert wie Sankt Christina. Doch dafür hat es jene ausgewogene Mischung erreicht, die wunderbare Ruhe ausstrahlt – und die sollte schließlich auch bei sportlichen Ferien in den Bergen unbedingt dazugehören.
Natürlich gibt es auch in Corvara einen Emporio Armani, einen Juwelier und andere Treffpunkte der Wohlstandsgesellschaft. Doch die mischen sich entspannt mit ein paar Trend-Boutiquen, Sportausstattern und – für die Foodies unter uns – verlockenden Wurst- und Käseläden. Klar, dass auch die Aperitiftrinker unter den Gästen angemessen bedient werden, und Lokale wie das ladinisch getaufte „L’got“ sind ein Genuss.
Wenn wir uns dem oberen Dorfende nähern, macht die Straße eine enge Kurve. Hinter ihr öffnet sich ein Platz, auf dem sich die alte Dorfkirche ins Szene setzt sowie einige interessante Geschäfte und schließlich eine wahre Perle – das Hotel La Perla mit seinen Gärten und hübschen Nebengebäuden. Dieses Leading Hotel oft the World am äußersten Ortsrand ist ein echter Genuss. Das Ensemble wird atmosphärisch perfekt ergänzt durch eine Reihe schöner alter Häuser aus dem 18. Jahrhundert, die Ruhe und Erinnerungen an längst vergangene Zeiten ausstrahlen.
Es wird Ihnen nicht entgangen sein, dass mein Blick auf Corvara sich um einiges geändert hat, seit ich es mit den Skiern auf den Schultern und dem zum Boden gerichteten Blick vor allem als ein Ärgernis ansah, das es so schnell und schmerzfrei wie möglich so durchqueren galt. Inzwischen streife ich zu jeder Jahreszeit gerne durch das Dorf und entdecke stets neue Ecken und Einblicke. Selbst die Brücke, die mir damals solche Schmerzen bereitet hat, überquere ich inzwischen gerne. Mit einem Lächeln über vergangene Zeiten und großer Freude über das Hier und Jetzt.

Haig Barclay
 
 
 
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