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Themen:     Kunst & Musik (9)  
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Riccardo Bertoncelli Samstag, 15 Dezember 2012

Do you love Disco music? Vade retro

In diesen Jahren verließ die elektronische Musik die Versuchslabors und wurde salonfähig. Riccardo Bertoncelli, der bekannte Musikkritiker und Autor zahlreicher Bücher, gibt uns eine Kostprobe, erzählt uns, dass Giorgio Moroder - zunächst zum Leidwesen der Kritiker - ein Garant dieses neuen Phänomens war.
Do you love Disco music? Vade retro
 
Als der Rock ’n’ Roll seinen Siegeszug antrat, hauptsächlich in den 1950er und 1960er Jahren, war er mehr als ein Musikgenre und ein Fenster zur Welt, nämlich ein Flaggenzeichen, ein Ort des Geistes, eine Stoßwaffe. Ich spreche da nicht nur für mich, sondern für meine gesamte Generation, die der Fünfzig- bis Sechzigjährigen. Warum ich das sage? Weil unsere Art Musik zu hören exklusiv war in dem Sinn, dass sie einen einzigartigen Raum schuf, der den ganzen Rest ausschloss. Daran erinnere ich mich heute gern als einen “Krieg für Bands”. Damals aber war diese Haltung instinktiv und niemandem wäre es in den Sinn gekommen, Erklärungen dafür zu finden. Es war ganz einfach: Wer zur “Rockband” gehörte, war auf keinen Fall bei der Jazz- oder R&B band oder bei den Liedermachern, und so fort. Es waren die Jahre des entweder oder und sie lagen voll im Einklang mit den brausenden und aufbrausenden Hormonen von Menschenwelpen. Ein scharfsinniger Kritiker hat das so formuliert: “Man wächst durch das Negieren der anderen”.
Die Epoche des entweder oder hat mindestens zwei Jahrzehnte lang gedauert, bis zu den 1980er Jahren. Und hier fällt mir die Unterscheidung schwer: Haben sich danach die Dinge geändert, weil wir zwanzigjährigen Taliban von dazumal zu toleranteren Vierzigjährigen heranreiften oder weil sich die Zeiten selbst änderten unter dem Ansturm vieler Neuheiten und unvorhersehbarer Kreuzungen? Ein bißchen von beidem, vermutlich. Ein Musiker, der mit Sicherheit zu dieser Veränderung beigetragen hat, war Giorgio Moroder mit seiner Idee einer einfachen und körperlichen elektronischen Musik, mit seinem sehr speziellen, neugierigen Schritt hinweg über die Grenzpfähle.
Den haben wir Kritiker ihm am Anfang sehr übelgenommen; er war ein Freund der Disco Music, folglich ein Feind des Rock ’n’ Roll. Immerhin, allmählich nuancierte sich dieses harsche Urteil, auch dank der Intervention einer weisen, fast gottgleichen Autorität, Brian Eno. Er war einer der ersten, die erkannten, dass das Zeitalter des entweder oder zu Ende ging und glorreich von dem des sowohl als auch abgelöst wurde. Eno war unser Lieblingsphilosoph und ein Fan von Moroder, weil er erkannt hatte, dass dessen Art Musik zu machen nicht nur Zukunft hatte, sondern diese Zukunft gestalten würde. Die elektronische Musik verließ die Versuchslabors und wurde salonfähig. Das Tanzen und die starken körperlichen Impulse der Musik gewannen wieder die Oberhand über das rein mentale Zuhören. Die reinen Musikgattungen wiederum lösten sich auf unter der Einwirkung mehrfacher Hybridisierungen. Die Zeit hat Enos Intuition recht gegeben, hat gewisse rigide Positionen vernichtet, die Idee des “Purismus” eingeschlossen. In einer Welt der digitalen Fenster, die sich zum ganzen Planeten öffnen, in einer Zeit, die mit einem Tastendruck den Wechsel von einem zum anderen Genre möglich macht, in einer Kultur, die nicht mehr von der Straße kommt und nicht mehr in direktem Kontakt, sondern in den Informationskanälen des Internets entsteht, lösen puristische Konzepte Gefühle der Zärtlichkeit aus.
Ich habe der Epoche des sowohl als auch das Attribut “glorreich” gegeben. Vielleicht war ich dabei zu optimistisch, in einem Winkel meiner Geisteskammer vielleicht auch ironisch. Denn: Ist wirklich alles glorreich in dieser Sinflut von Musikgattungen und Möglichkeiten, die uns umfängt, bezaubert, überschwemmt? Mmmmh, nicht wirklich. Aber davon besser ein anderes Mal.
 
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