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Tags:    Ethik     Gemeinwohl-Ökonomie
 
Manuel Montag, 10 Dezember 2012

Die wahre Geschichte der Bonds

Helga gehört eine Kneipe. Eine Kneipe, in der richtig getrunken wird.


Als ihr klar wird, dass praktisch all ihre Gäste arbeitslos geworden sind und daher ihre Besuche reduzieren und weniger trinken werden müssen, heckt sie einen genialen Marketing-Plan aus: Die Kunden dürfen sofort trinken und später bezahlen. Helga schreibt alle unbezahlten Drinks in einem dicken Buch an. Es wird das Buch der Kredite (sprich der Schulden ihrer Gäste).


Die Formel "jetzt trinken, später bezahlen" wird ein Riesenerfolg: Sie spricht sich herum, Helga kriegt immer mehr Kundschaft, und ihre Kneipe wird die wichtigste der ganzen Stadt.


Hin und wieder erhöht Helga die Getränkepreise. Niemand protestiert, weil ja auch niemand bezahlt; die Verteuerung ist rein virtuell. Damit erhöht sich der Verkaufsumsatz weiter.


Helgas Bank fühlt sich durch den hohen Umsatz auf der sicheren Seite und erweitert Helgas Kreditlinie. Denn Helgas Kredit, finden die Risk Manager, ist ja durch all die Schulden garantiert, die die Kneipe ihren Gästen gewährt hat: Die Garantie der Garantie.


Derweil kommt in der Bank der Abteilung Investments & Finanz-Alchemie ein genialer Gedanke: Sie nimmt die Kredite von Helgas Bank und benutzt sie als Garantie, um brandneue verbriefte Schuldverschreibungen herauszugeben und sie auf den internationalen Märkten zu platzieren - die Suff-Bonds.


Die neuen Bonds werden gleich mit AA+ bewertet, ebenso die Bank, die sie herausgibt. Die Investitoren ahnen nicht, dass diese Bonds durch Schulden arbeitsloser Säufer gedeckt sind. Und nachdem die Rendite gut ist, greifen alle begeistert zu.
Der Preis der Bonds steigt. Nun wollen auch die Pensionsfond-Manager sie haben - wie auch nicht, angesichts der unwiderstehlichen Kombination aus einer hochbewerteten Schuldverschreibung, hoher Rendite und
weiter steigender Preise. Und so füllen sich die Portfolios weltweit mit immer mehr Suff-Bonds.


Eines Tages jedoch bekommt Helgas Bank einen neuen Direktor. Der will, weil die Zeiten schlechter werden, nichts mehr risikieren und kürzt Helga den Kredit. Er fordert sie auf, den Betrag, um den der alte Kredit das neue Limit übersteigt, gleich zurückzuzahlen. Helga bittet also ihre Kunden, ihre Schulden zu begleichen. Die sind dazu jedoch nicht in der Lage - es handelt sich bekanntlich um alkoholkranke Arbeitslose, die bereits ihre ganzen Ersparnisse versoffen haben.


Helga kann der Bank den fälligen Kredit nicht zurückzahlen, weshalb diese ihr auch den restlichen Kredit kündigt. Die Kneipe geht Pleite, alle Mitarbeiter stehen auf der Straße.


Die Suff-Bonds verlieren 90 Prozent. Die Ausgabebank bekommt ein Liquiditätsproblem und stellt erstmal den Kreditbetrieb ein: Unternehmen können sich kein Geld mehr leihen. Die lokale Wirtschaft bricht ein.


Helgas Bier- und Schnapslieferanten, die Helga angesichts ihres Umsatz-Erfolgs lange Zahlungsziele eingeräumt hatten, finden sich nun selbst mit lauter offenen Krediten wieder, die sie nicht bedienen können. Leider hatten auch sie in Suff-Bonds investiert, die um 90 Prozent eingebrochen sind.
Der Bierlieferant entlässt erst Mitarbeiter und geht dann pleite.


Der Weinlieferant wird von einem Konkurrenzunternehmen aufgekauft, das als erstes die örtliche Niederlassung schließt, alle Mitarbeiter entlässt und die Produktion an einen 6000 Kilometer entfernten Ort verlegt. Die Bank kann zum Glück gerettet werden - mit einem zinslosen Mega-Regierungskredit aus Steuergeldern und ohne Garantieleistung.


Um dafür die nötigen Mittel bereitzustellen, hat die Regierung einfach die Steuern all jener Bürger erhöht, die nie in Helgas Kneipe gewesen sind. Weil sie keinen Alkohol trinken oder arbeiten und keine Zeit haben für Kneipenbesuche.


Jetzt müssen wir die Dynamik der Suff-Bonds nur noch auf die Geschehnisse unserer Tage anwenden und werden verstehen, wer hier besoffen ist und wer nicht.

Quelle zeusnews.it
 
 
 
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