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Tags:    Dolomiten     Landschaft     Natur
 
Michil Freitag, 1 Oktober 2010

Die vergewaltigte Natur

Der Hintergrund: Die Provinz Bozen hat eine neue Zufahrtsstraße genehmigt (die auch bereits zu einem guten Teil gebaut wurde), die durch ein Gebiet führt, das bislang nur sehr begrenzt zugänglich war. Damit wurde im Sommer 2010 eine 250 Millionen Jahre alte Landschaft zum Tode verurteilt und gleichzeitig zum wiederholten Mal der UNESCO die kalte Schulter gezeigt, die die Dolomiten durch ihre Ernennung zum Weltnaturerbe der Menschheit unter ihren besonderen Schutz gestellt hat.
Die vergewaltigte Natur
 
 
 
„Blasphemisch sind gewisse Politiker, die zum Gottesdienst gehen. Eine symbolische Beerdigung dagegen, bei der ein ganzes Tal zu Grabe getragen wird, und zwar mit dem eigentlichen Ziel, es weiterleben zu lassen – nein, das ist keine Blasphemie.“ So die Worte des Theologen Don Paolo Renner.
In meinem Newsletter von heute möchte ich ein paar Sätze unseres Freundes Don Paolo zu diesem Thema zitieren:

“…immer mehr Menschen verzweifeln an der Leichtigkeit, mit der Millionen Jahren annulliert werden, die die Natur für die Erschaffung unseres Lebensraums benötigt hat. Und sie begreifen, dass die Gefährdung dieser Umwelt auch für den Menschen selbst existentielle Gefahren birgt. Doch sie hören sich antworten: „Aber eine Straße oder ein paar Hotels setzen doch nicht die Zukunft der Menschheit aufs Spiel! Im Gegenteil, sie schaffen in diesen Krisenzeiten neue Arbeitsplätze!“. Eine Beobachtung, auf die mit Sicherheit schallendes Gelächter folgt.
Für verschiedene neue Wanderwege wurden alte, ehrwürdige Bäume gefällt. Die Wege wurden mit Geröll bedeckt, das Gott weiß wo her stammt und dass jeden Kontakt mit den weichen Tannennadeln, mit der duftenden Baumrinde verhindert. (...) Wegverläufe wurde begradigt und dabei Büsche, Hecken und Trockenmauern zerstört, die kleinen Säugetieren, Reptilien und Insekten als Zuflucht dienten. (...) Die Menschen sind enttäuscht. Viele Touristen haben beim Anblick solcher Unsitten bereits gedroht, nicht mehr zu uns zurückzukehren und sich andere Ziele zu suchen, in denen mit der Umwelt respektvoller umgegangen wird. Als ob das noch nicht reichte, finden diese Attacken auf unser Ökosystem auch noch im Jahr 2010 statt – dem Jahr, das die UNO zum Jahr der Biodiversität erklärt hat. Zwar kann der Mensch ganz gut auch ohne Schwarze Kohlröschen, Türkenbund, Adler und Murmeltiere leben. Aber was kann schon das Glücksgefühl ersetzen, das uns bei solchen unerwarteten Begegnungen mit seltenen Tieren und Pflanzen erfüllt? Die Menschheit rast auf einer bedrohlichen Überholspur dahin; immer mehr einzigartige Landschaften und Ökosysteme geraten dabei unter die Räder. Und zwar für immer.
Der Schutz der Natur ist nicht nur eine moralische Pflicht, sondern auch eine Investition in die Zukunft, die sich wirtschaftlich lohnt.
Viele Menschen suchen gerne unberührte Orte auf, auch wenn sie sich dafür plagen und anstrengen müssen. Die mühsame Eroberung eines lohnenden Panoramas, einen stillen Bergwalds, eines Gipfels mit atemberaubender Aussicht lehrt uns, dass das Leben auch Mühsal bedeutet (...) Die Natur besitzt eine wilde, anstrengende Schönheit. Wenn wir ihr Gewalt antun, sie zupflastern und mit Zement auffüllen, dann verletzen wir nicht nur sie, sondern genauso uns selbst, weil wir völlig gedankenlos an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen.“

Auch ich selbst möchte hier noch einen Gedanken anfügen – als Unternehmer, als Hotelier, als Homo oeconomicus: Es ist die Natur, die unseren Tälern den Reichtum gebracht hat. Und auch unser künftiger Wohlstand wird entscheidend davon abhängen, wie wir unser Naturerbe schützen und verteidigen. Die Natur voller Verachtung vollzuzementieren ist, als würden wir unseren Reichtum mit vollen Händen aus dem Fenster werfen und unsere Gäste und Touristen betrügen. Denn auch sie lieben, so wie wir, unsere Berge und unsere Täler.
 
 
 
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