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Themen:     Haus & LaPerla (78)  
Tags:    Drinks     Gemeinwohl-Ökonomie     Persönlichkeiten
 
michil Donnerstag, 1 Dezember 2016

Der Gast ist kein Geldesel.

Das zu wissen, gehört zu unserer Verantwortung.
Der Gast ist kein Geldesel.
 
 
 
Wir schreiben den 1. Dezember, jetzt dauert es nicht mehr lang: Ich freue mich schon darauf, wenn die Bar wieder zum Leben erwacht, wenn ich unsere Mitarbeiter nach der Herbstpause begrüße und wenn die ersten Gäste in die Halle kommen.
Im Tourismus gibt es nicht allzu viel Echtes. Was dem Gast gefällt und was daher auch wirtschaftlich etwas bringt, muss nicht zwangsläufig authentisch sein.
Almhütten im Stil unberührter Dörfer, wie man sie aus „Heidi“ kennt, sind hübsch und manchmal sogar richtig schön, doch es handelt sich um Nachgemachtes, nicht um Echtes. Der Gast weiß das, es gefällt ihm trotzdem, so ist das halt. Auch der ständige Einsatz von Worten wie Einzigartigkeit, Werte, Umwelt oder unberührte Landschaften hört sich illusorisch, wenn nicht sogar heuchlerisch an. Was ich sagen will: Ist unser touristisches Angebot denn wirklich so einzigartig? Einzigartig sind die Dolomiten, so wie es der Mont Blanc ist und auch die Lärche vor meinem Fenster, die ihre Nadeln verloren hat und jetzt neben der großen grünen Tanne fast ein wenig deprimierend wirkt. Und doch: Was einzigartig ist, muss nicht zwangsläufig auch bedeutend sein, so wie nicht alles, was gefällt, unbedingt richtig sein muss. Glauben Sie, dass es „richtig“ ist, an Silvester ein Feuerwerk in den Himmel zu schießen, wie wir das heute noch gedankenlos tun in Alta Badia, weil es angeblich ein einzigartiger Abend ist? Die Silvesterraketen machen Krach, verpesten die Luft. Die Rehe erschrecken sich zu Tode, die Kühe in den Ställen werden fast verrückt und auch die Hunde ertragen das Heulen und Zischen nur schwer.
Oder nehmen wir die „Werte“, die wir so gerne zitieren. Entweder nehmen wir solche Werte wirklich ernst, glauben daran, leben danach und überlegen uns genau, was wir sagen, oder wir lassen es lieber gleich bleiben. Werte zu instrumentalisieren, aus Werbezwecken beispielsweise, geht gar nicht. Nicht nur, weil es der Produktivität schadet, sondern auch weil es schlichtweg dumm ist, alles auf eine Marketingstrategie zu reduzieren. Die Dolomiten sind ein Welterbe der Menschheit, kein Logo, das man nach Belieben benützen kann. Das gleiche gilt für die Mode des „Grün“. Entweder ist man wirklich vom Umweltschutz überzeugt oder man gibt gleich offen zu, dass man seinen Fisch am liebsten in Florida kauft, weil es einem gefällt, dass die Leute in diesem Teil von Amerika in Trump immer noch den Visionär des Jahrhunderts sehen.
Und wo wir schon von Gemeinplätzen und „Kommunikationsfehlern“ sprechen: Wenn unsere Mitarbeiter in der Casa beim Vorstellen nicht mit „angenehm!“ antworten, dann nicht, weil sie mundfaul wären, sondern weil man „angenehm“ nicht sagt. Wenn die Begegnung für beide Seiten angenehm war, dann weiß man das erst am Ende des Gesprächs. Ich halte den Kontakt mit dem Gast in dieser Form für sehr wichtig. Spontaneität ist nicht immer die beste Lösung, denn auch Formalitäten haben ihren Sinn. Und es gibt nun mal keine zweite Gelegenheit, einen ersten Eindruck zu hinterlassen. Bei uns in der Casa sagt auch niemand „guten Appetit“. Weil man einen guten Appetit nicht wünscht.
Und man möge uns bitte verzeihen, wenn wir den Kaffeelöffel nach dem Umrühren in den Mund stecken. Das gehört sich zwar nicht, aber es schmeckt nun mal so gut! Apropos Kaffee: Wir waren mit unserem Espresso nicht so richtig zufrieden. Deshalb haben wir uns ausnahmsweise über Regeln der Gemeinwohlökonomie hinweggesetzt, zu denen ja der Einkauf von Produkten aus der Nähe gehört (unsere bisherige Kaffeerösterei war gar nicht weit von hier) – und bieten seit diesem Jahr endlich den Kaffee von Gianni Frasi aus Verona an. Gibt es einen besseren? Wir haben jedenfalls keinen gefunden.
Es stimmt schon: Der Tourismus ist nicht nur sozial, wirtschaftlich und ökologisch äußerst borderline, er ist auch Geschäft. Aber unsere Gäste sind keine Geldesel. Und unsere Verantwortung liegt darin, dies zu wissen, zu verstehen und entsprechend zu handeln. Wir schreiben den 1. Dezember, jetzt dauert es nicht mehr lang: Ich freue mich schon darauf, wenn die Bar wieder zum Leben erwacht, wenn ich unsere Mitarbeiter nach der Herbstpause begrüße und wenn die ersten Gäste in die Halle kommen. Ich mag die Vorstellung, schon bald wieder an den Tischen vorbeizugehen und die Geschichten der Menschen zu hören, die uns besuchen. Natürlich wird es auch wieder Probleme mit den Parkplätzen geben, das W-LAN wird nicht optimal sein, und vor dem Murin wird in den nächsten Tagen ein ziemlicher Krach herrschen. Um neun Uhr morgens werden sämtliche Tische im Frühstücksraum besetzt sein, und Franco wird vor sich hin grummeln. Aber das wissen Sie ja längst, Franco ist, wie er ist, und wir werden ihn nicht ändern. Wollen wir auch gar nicht. So lange er Lust hat, bleibt er für uns von der Familie, für uns vom La Perla ein wichtiger Teil des Ganzen.
Dann haben wir auch ein paar komplett neu hergerichtete Zimmer und eine schöne Ausstellung in den neuen Büroräumen. Unsere Mitarbeiter sind motiviert. Am Samstag werden alle angereist sein; es folgen zwei Tagen Fortbildung, während denen sie im Hotel schlafen wie richtige Gäste. Und dann freuen wir uns besonders auch auf Sie! Klar, unser Job ist wirklich wunderschön. Wir haben das Glück, uns um die schönsten Tage im Jahr unserer Gäste kümmern zu dürfen. Und die Projekte, die wir dank Ihner Unterstützung in Afrika realisieren können, haben großen Wert. Was soll ich sagen? Danke, dass es Sie gibt!

Michil Costa
 
 
 
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