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Themen:     Leading Bike (14)  
Tags:    Aktivitäten     Dolomitenpässe     Radsport
 
mErCh Sonntag, 13 Juli 2014

Das Zimmer mit den Pedalen

Ich gebe es zu. Hier im Haus gibt es ein Zimmer, das mir von allen das liebste ist. Es ist den Fahrrädern gewidmet und strömt für mich einen unwiderstehlichen Duft aus. Ein Aroma, das nach Legenden riecht und leicht wie der Flug der Schwalbe durch den Raum zieht. Der heißt Pinarello Lounge. An seinen Wänden und auf Podesten sind Reminiszenzen aus den Heldensagen des Radsports angebraucht, aus Vergangenheit und Gegenwart. Da ist das Rad von Nani Pinarello, das Gino Bartali „schwarzes Trikot im Radsport und rosa Trikot im Leben“ getauft hat. Da ist das futuristische Pinarello Espada, mit dem Miguel Indurain den Stundenrekord brach. Da ist das gelbe Tour-Rad von Wiggins. Das spacig-schwarze von Froome. Und das des Weltmeisters Rui Costa. Da ist so einiges an Radsportlegenden zusammengekommen, nicht?
Das Zimmer mit den Pedalen
 
 
 
„Radeln und Träumen haben mehr miteinander zu tun, als man glauben möchte.“
Doch nicht nur Fahrräder schmücken diesen Raum, auch Licht durchflutet es. Reines Gebirgslicht. Das dich nach draußen ruft. Das dir Lust macht, dich verführt. Eine richtige „Sirene“ aus Licht, die dir das Wiegenlied der Serpentinen singt, der grandiosen Ausblicke, der Mühsal und der Schönheit. Mehr als fünf Minuten hältst du es da drinnen deshalb gar nicht aus. Weil du ein Rad packen und einfach nur losfahren willst. Alles hier hinter dir lassen und nur noch in die Pedale treten. Welche Richtung? Du hast die Qual der Wahl. Draußen vor der Tür kannst du entweder nach rechts fahren und kannst nach Gröden, Villa, Valparola, Würzjoch biken. Links eröffnet sich gleich hinter dem Campolongo-Pass eine ganze Welt: Pordoi und Sellaronda oder Colla Santa Lucia, Falzarego oder Passo Giau. Diese Namen sagen dir nichts? Nachdem ich vorher schon von „Radsportlegenden“ gesprochen habe, will ich jetzt konkreter werden und dir diese Orte am Beispiel des größten unter ihnen vorstellen: Fausto Coppi. Der Ort: das Pordoijoch. Grödner Joch und Sellajoch hatte sich Italiens legendärer Rennradler bereits als Vorspeise gegönnt. Bergauffahren ist so süß wie das Verstreichen von Blaubeermarmelade auf dem Butterbrot. An den Schnörkeln der Straßenkehren kannst du nach unten gucken. Hinter dir liegt der Rosengarten. Neben dir die Sella. In dir eine unendliche Freude. Pordoi. Der Pass ist seit dem Jahr 2000 Fausto Coppi gewidmet, der auf diesen Straßen seitenweise Geschichte geschrieben hat. Ein Denkmal erinnert an ihn. Auch wenn es nicht das einzige Coppi-Denkmal ist. Es gibt eines am Stilfser Joch, ein anderes auf der Abfahrt von Abetone, gleich hinter Serramazzoni. Und noch eines auf dem Ghisallo. Überhaupt ist ja Coppis Ruhm grenzenlos, schwebt über sämtlichen Gipfeln, von einem Pass zum nächsten, und verliert sich in den Erinnerungen. 
Um sie zum Blühen zu bringen, braucht man nur in die Pedale zu steigen. Am 31. Mai 1953, auf der Etappe von Auronzo nach Bozen, weiß Coppi, dass er Koblet angreifen muss, wenn er gewinnen will. Er versucht es auf dem Falzarego-Pass. Hugo aber bleibt vorne und hängt Coppi auf der Abfahrt ab. Am Pordoi-Joch gewinnt Coppi eine halbe Minute. Zu wenig. Auch am Sellajoch greift er wieder an, doch der Schweizer lässt sich nicht besiegen. Der Giro d’Italia scheint für Coppi gelaufen zu sein. Doch am nächsten Tag  schafft er am Stilfser Joch eine begeisternde Leistung und gewinnt den fünften Giro d’Italia. Als ich oben auf dem Pordoijoch stehe, schaue ich über den Rosengarten hinweg in Richtung Ortler. Dahinten liegt es, das Stilfser Joch. Ein Horizont, der aus Bergen besteht und aus Träumen. Ich ziehe meine Windjacke an und fahre in Richtung Arabba ab. Die Berge sind stille Meister und machen schweigsame Schüler, hat Goethe gesagt. Leise simmern die Reifen. Die Lungen sind voller Luft, der Blick voll vom klaren Licht der Berge. Und für einen Moment ist das Glück etwas ganz Greifbares, etwas, das man mit den Händen am Lenker festhalten kann.

Merch Pescollderung
 
 
 
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