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Themen:     Meinung & Politik (21)    Natur & Umwelt (34)  
Tags:    Alta Badia     Gedanken     Tourismus
 
Michil Mittwoch, 1 Dezember 2010

Cheeseburger & Cola

Der ethische Rationalismus von Demokrit hat mich zum Nachdenken gebracht: Wie haben sich eigentlich die philosophischen Gedanken entwickelt, die unsere heutige Welt gestalten? Von Natur aus ist der Mensch ja so angelegt, dass er seinen Instinkten nachgibt, die ihn in Richtung Egoismus und persönlichem Vergnügen lenken – ob diese nun Ruhm oder Macht, Weisheit oder Reichtum heißen mögen.
Cheeseburger & Cola
 
 
 
“Wirklich weise ist, wer sein Leben nach den Regeln der Mäßigung lebt, umsichtig und im Gleichgewicht und dabei Vewirrung und Leidenschaften meidet.” …
Deshalb stehen wir voller Bewunderung und Dankbarkeit all jenen geistigen Führern der Menschheit gegenüber, die ihrem persönlichen Vegnügen zugunsten höherer Ziele entsagt haben.
Denken wir nur an die Kraft der Aufklärung! “Sapere aude“: Das Licht der Vernunft hegen und lieben, jedes einzelne menschliche Wesen ins Zentrum eines ganzen Netzes aus Verbindungen zu stellen – so entstand der Humanismus der Neuzeit. Auch wir könnten, ja müssten uns einer solchen Wieder-Aufklärung bedienen, die die Würde jedes einzelnen Menschen ins Zentrum allen Handelns stellt.
Wenn wir den Mut besäßen, unsere Intelligenz zu nutzen, dann käme uns das bei der nachhaltigen Weiterentwicklung unseres Tals zugute. Flaubert hat gesagt: “Nicht die Zeit hat diesen Ort auf dem Gewissen, sondern die Reisenden und die Gelehrten.” Wir sind die Gastgeber, der Gast ist unser Spiegelbild. Wir haben genau die Gäste, die wir verdienen. Mehr noch: Wir haben die Gäste, die wir uns selbst geduldig heranziehen. Falls wir uns zu diesem Schritt entschließen sollten.
Wenn wir tatsächlich der Meinung sind, dem Gast etwas Gutes zu tun, indem wir ihm Dörfer ohne Blumen anbieten, ein Tal voller Umweltverschmutzung und Straßen voller Streusalz und Schlamm, dann sollten wir schnell mal einen Rosenkranz beten.
Glauben wir dagegen an die Kraft der Vernunft, dann verstehen wir automatisch unsere Grenzen – unsere eigenen und die unseres Tals.
Wir müssen uns selbst erziehen. Erziehung kostet, aber es ist unsere Pflicht, das Entstehen einer zerstreuten und oberflächlichen “Gastfreundschaft” zu verhindern. Wir müssen ein strenges Auge auf die Kungeleien schulterklopfenden Stammtisch-Politiker haben, auf die Dolomiten-Schlaumeier, die immer nur den nächsten Gewinn im Auge haben.
Lassen wir uns nicht von den sogenannten “Wünschen der Touristen” umgarnen, denn die existieren nur in unseren Köpfen. Und es sind “Wünsche”, die die Politiker uns glauben machen möchten. Wenn wir unsere Dolomiten ausschließlich einem unmenschlichen Marketing preisgeben, haben wir verloren. Was die Touristen wirklich wollen, ist die Unversehrheit unserer Landschaft. Der Geschmack unserer Küche. Die Wärme unserer Gastfreundschaft.
Alle Exzesse müssen wir als etwas betrachten, das uns eine vergängliche Befriedigung verschafft. Eine Befriedigung, die diejenigen benachteiligt, die unser Tal besuchen.
Vielleicht bewegen wir uns in Alta Badia ja bereits in die richtige Richtung, doch wir müssen noch viel diskutieren – zwischen uns Touristikern, mit den Handwerkern, den Bauern, der ganzen Bevölkerung. Nur so können wir auch in Zukunft ein Alta Badia präsentieren, das wirklich humanistisch ist. Können diese Orte der Seele für diejenigen bewahren, die mit der Seele reisen. Nur wenn wir die Authentizität unseres Tals, unserer Kultur, unserer Sprache bewahren, können wir im Gleichgewicht mit unserer Umgebung sein. Wenn unsere Dörfer dagegen zu Miniatur-Städten verkommen, dann werden uns unsere Gäste verlassen. Wenn unsere Landschaften verunstaltet werden, verlieren wir all unseren Wert. Ganze Städte in die Berge zu bauen, nur weil die Luft dort besser ist, hat mit Authentizität und Mäßigung nichts zu tun.
 
 
 
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