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Tags:    Dolomiten     Ladinisch     Tibet
 
Egle Dienstag, 29 April 2014

Bun dé, namastè und die Stimme der Wolken.

Den Wolken ist es zu verdanken, wenn die Worte von einem Ende der Welt bis zum anderen reisen. Wolken bewegen sich gern schnell und bringen die klaren Töne des Lebens auf ihrer weichen Decke mit.  Manchmal vereinigen sie sich, und häufig trennen sie sich, um diese Klänge bin ins Unendliche zu überliefern. Wolken haben prophetische Fähigkeiten. Fahle Stränge nennt sie Pessoa. Wolken in der Ebene. Gebirgswolken. Wolken über dem Meer. Wolken, die weit vom Lärm der Erde vorüberziehen. Weit vom schweigenden  Himmel. Weit von uns, die sie mit hochgereckter Nase betrachten.
Bun dé, namastè und die Stimme der Wolken.
 
 
 
„Eines Morgens grüße ich eine Wolke, die um den Sassongher tanzt. Ich sage ihr: Bun dé, guten Tag, Wolke, und sie antwortet mir: Namasté.“
Eines Morgens grüße ich eine Wolke, die um den Sassongher tanzt. Ich sage ihr: Bun dé, guten Tag, Wolke, und sie antwortet mir: Namasté. In diesem Moment achte ich nicht darauf, es erscheint mir so natürlich. Ich gehe ins Haus, und es begrüßt mich das gewohnte  Bun dé. Das Bun dé des Hauses ist kein normaler Gruß. Es ist ladinische Gastlichkeit pur. Es ist Respekt, Herzlichkeit, Freude. Ein positiver Klang, eine wohlwollende Verneigung, häufig von einem Lächeln begleitet.  Instinktiv antworte ich auf das erhaltene Bun dé mit gefalteten Händen und dem Wort: Namasté. Im Bruchteil einer Sekunde wird mir klar, dass die wahre Bedeutung eines Grußes darin liegt, die Heiligkeit eines jeden von uns anzuerkennen. Das Licht, das uns erfüllt. Und die Entfernung zwischen den Bergen Tibets und den Dolomiten  wird durch die magische Kraft der Wolken wie von Zauberhand aufgehoben. Endlich wird mir bewusst, wie wichtig ein wahrhaft so gemeintes Bun dé ist. Und weshalb bei uns ein herzliches Bun dé niemandem verwehrt wird. Bun dé bedeutet hier all das, was mit zwei Silben ausgedrückt werden kann, zwei Silben, die in ihrer Schlichtheit für Ohren und Seele reine Musik sind. Ich gehe hinaus. Ich schaue auf die Wolke, die sich schon anschickt, weiterzuziehen. Ich weiß, dass sie nun jeden, der ihr Respekt entgegenbringt, mit einem großartigen Bun dé grüßen wird. Und das Bun dé wird von Wolke zu Wolke springen, bis nach Nepal. Ganz bestimmt.

Egle Chesta
 
 
 
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