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Michil Samstag, 1 Oktober 2011

Bewegungslos stehen sie da. Gewaltig, ewig.

Bewegungslos stehen sie da. Gewaltig, ewig.
Und doch hatten sie einen Anfang. Und sie werden ein Ende haben...
Mein Schullehrer Lezuo hat mir erzählt, dass sich alle hundert Jahre ein Spatz auf dem Gipfel unseres Hausbergs niederlässt, dem Sassongher, um sich den Schnabel zu wetzen. Und wenn irgendwann durch all diese Schnabelwetzerei der ganze Berg abgetragen sein wird, dann wird die Ewigkeit immer noch nicht begonnen haben.
Bewegungslos stehen sie da. Gewaltig, ewig.
 
 
 
„Bergführer zu sein ist immer mein Traum gewesen.“ Sagte „Magic“.
Die Kontinente verschieben sich, und die Berge wachsen. Unaufhörlich schrauben sie sich einen Millimeter pro Jahr in die Höhe. Bis sie zerbröckeln. Manche peu à peu, andere mit einem gewaltigen Knall. Aus ihrem Staub wächst dann ein Grashalm, ein kobaltblauer Enzian, eine Lärche. Leben und Tod begegnen sich. Alles stirbt – und erwacht kurz darauf zu neuem Leben.

„Bergführer zu sein ist immer mein Traum gewesen.“ Sagte „Magic“. Eigentlich war Alberto Elektriker, doch seine wahre Leidenschaft hatte schon immer den Bergen gegolten. Bereits als kleiner Bub fuhr er Ski und kletterte auf den Spuren seines Vaters Marcello, eines hoch angesehenen Alpinisten. „Magic“ wurde Bergretter und rettete in der Tat zahlreiche Leben. Vor einigen Monaten barg er zusammen mit seinen Kollegen die Leiche des polnischen Ordensbruders Kulczak, der nach einem 150-Meter-Sturz in eine Felsschlucht am Antelao gestürzt war.

Vor 50 Millionen Jahren begann sich der afrikanische Kontinent nach Norden zu verschieben, bis sich 25 Millionen Jahre später bei uns die ersten Felsen erhoben. Der Wechsel von heißen und kalten Perioden und später das Abschmelzen der Gletscher haben diese rudimentären Erhebungen mit Macht geformt und ihren das geschenkt, was in unseren Augen ihre Schönheit ausmacht: Spitzen und Nadeln, Abgründe und Senken, Gipfel und weite, grüne Täler. Wie oft „Magico“ diese Welt mit ihrem Zauber wohl beobachtet haben mag? Wie oft er sich wohl an der Verwandlung von nassem, dunklen Fels zur Stunde des „Enrosadüra“ in der Abenddämmerung begeistert hat? Wie oft er an einem Edelweiß vorbeigeklettert sein wird und sich dabei gefragt hat, wie dieses Blümchen es wohl schafft, mitten im Fels unter derart unmöglichen Bedingungen zu leben? Vielleicht hat es auch um sein Leben beneidet – so weit weg von allem Krach und künstlichem Licht und so immun gegen Bösartigkeiten, Schikanen und Neid.

Es herrschte bereits tiefe Nacht, als sie beschlossen, sich abzuseilen, um die beiden in Not geratenen deutschen Bergsteiger zu retten. Etwas später ist im Tal ein gewaltiges Donnern zu hören. Der Herrgott hat beschlossen, genau in diesem Moment einen Felsklotz von 3000 Kubikmetern als Steinlawine ins Tal zu schicken. Auf diesem Stück Berg, das sich so grausam lebendig zeigt, seilten sich gerade „Magico“ und sein Freund Aldo ab, ein Schreiner. Beide Familienväter, Ehemänner, Bergretter aus Leidenschaft.

Die Grausamkeit der dolomitischen Schönheit hat sich mit dem Schicksal der beiden gekreuzt. Es scheint paradox, dass ausgerechnet diese beiden, Alberto Bonafede und Aldo Giustina, Förderer der Sicherheit in den Bergen, von ihr getroffen wurden. „Magico“ und Aldo werden unsere Bleichen Berge auch weiterhin ansehen können. Sie werden weitere Berge besteigen, diesmal wahrlich ewige. Ihre Leidenschaft werden sie für immer leben können. Gott habe sie selig.

“… schwer ist es, zu verstehen, was recht ist, und dass das Ewige noch nicht begonnen hat, weil unser Geist zeitlich begrenzt ist und der Körper zu Recht nur dieses Leben lebt...“

Franco Battiato, aus „Fisiognomica“
 
 
 
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