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Themen:     Natur & Umwelt (32)    Rücksicht & Rechte (15)  
Tags:    Natur
 
Michil Freitag, 1 Juni 2012

Auch ich habe Rechte. Mit freundlichen Grüssen. Ihre Natur

Wissen Sie was? Ich bin gerne Wirt. Ein wunderschöner Beruf ist das. Meine Brüder und ich haben ihn von unseren Eltern übernommen, die uns beigebracht haben, Hindernisse zu überwinden, nachzudenken und Schwierigkeiten stets als Gelegenheiten zu betrachten – ganz im Sinne Albert Einsteins. Unsere Mutter und unser Vater haben uns beigebracht, auf unsere Gäste zu achten, Zeit mit ihnen zu verbringen, ihre Gewohnheiten kennenzulernen und ihre Wünsche zu erahnen... Sie haben uns dazu erzogen, dem Gast zuzuhören und sein Wissen zu beherzigen. Denn Wissen ist gut, wie schon Sokrates sagte, während Unwissen schlecht ist. Wissen ist Kultur, und Kultur sollte unser Leitmotiv sein. Nicht immer nur Wachstum – dieses Wort wird viel zu oft benutzt. Glaubt denn tatsächlich noch jemand, dass es wirtschaftliches Wachstum bei kulturellem Stillstand geben kann?
Auch ich habe Rechte. Mit freundlichen Grüssen. Ihre Natur
 
 
 
Ich bin gerne Wirt, denn bei meiner Arbeit ist mir eine gute Lebensweise wichtig. Ich will meine Arbeit bewusst leben und ihre ethische Dimension beachten, zu der das Lächeln gehört, Aufmerksamkeiten, unsere hochgeschätzten Mitarbeiter – denn sie sind es, die unseren Betrieb zu dem machen, was er ist.
Das wäre nichts anderes als Konsumabhängigkeit. Wachstum ist immer privat und tödlich, während Kultur kollektiv und fruchtbar ist. Und was bedeutet Fortschritt? 100 Verbesserungen gegen 99 Verschlechterungen. Ziemlich wahrscheinlich, dass sich dieses Verhältnis ohne Kultur in sein Gegenteil umwandelt. Ohne geistige Nahrung wird der Mensch nicht wirklich größer. Und kulturelle Abnahme bedeutet menschlicher Verfall.

Ich bin gerne Wirt, denn bei meiner Arbeit ist mir eine gute Lebensweise wichtig. Ich will meine Arbeit bewusst leben und ihre ethische Dimension beachten, zu der das Lächeln gehört, Aufmerksamkeiten, unsere hochgeschätzten Mitarbeiter – denn sie sind es, die unseren Betrieb zu dem machen, was er ist. Besonders schön ist es, mit Mitarbeitern und unseren Gästen dieselben Werte zu teilen und diesem wunderbaren Dialog zwischen hospès/hostìs –Fremden/ Gast – Gewicht zu verleihen. Von der Gegenwart des anderen zu zehren, von der Kultur des fremden Reisenden, der unser Haus besucht. Manchmal, wenn ich die Zeitung lese, frage ich mich, warum das nicht auch in der Politik möglich ist, in der Welt der Wirtschaft, in der Hochfinanz. Warum wird immer noch geglaubt, dass sich private Fehler in Gemeinwohl verwandeln? Warum wird nicht viel stärker in die Produktion von Ideen investiert, in die Fähigkeit zur Innovation? Der Rohstoff für Innovationen ist eben genau die Kultur, doch die wird in Italien wie ein totes Gewicht behandelt. Wie also können wir renovieren, auf neue Grundlagen stellen, überdenken, alte und überholte Konzepte überarbeiten? Ist ein Land, das sich der sozialen und wirtschaftlichen Rolle von Kultur nicht bewusst ist, überhaupt noch in zivilisiertes Land? Glauben wir tatsächlich immer noch, dass ein rigider Sparkurs, mehr verkaufte Autos und mehr verbauter Beton ausreichen, um uns aus der aktuellen Krise herauszuführen? Neben der Kultur vernachlässigen wir auch die Umwelt: Hören denn nur wir, die Fundis unter den Umweltschützern, den Schmerzensschrei, der sich tief aus dem Inneren der Erde erhebt? Glaubt denn wirklich noch jemand, man könne die Rechte des Menschen schützen ohne diejenigen der Natur zu respektieren? Der Mensch, bislang ein blinder, tauber Ausbeuter, wird künftig nicht anders können als zu reduzieren, zu recyceln, wiederzuverwenden. Mehr noch: Er wird in die Verfassungen dieser Welt die Rechte der Natur einbringen müssen. Daran wird bereits gearbeitet: www.therightsofnature.org
Ich bin gerne Wirt, denn ich liebe den Wind der Kultur; ich möchte ihn auslösen und ihn empfangen, denn nur wer ihn selbst spürt, kann ihn auch schaffen. Alpine Kultur heißt Respekt von den Bergen, Anstand. Hermann Göring, diese Verkörperung des Bösen, hat gesagt: „Bildung ist gefährlich. Jeder gebildete Mensch ist ein zukünftiger Feind.“ Auch wir, die kulturdürstenden Wirte, sind Feinde aller Görings dieser Tage und werden weiter in dieser Richtung arbeiten, auch wenn die Zeiten gerade nicht einfach sind. Wir werden die Zahl der Übernachtungen nicht künstlich in die Höhe rechnen, wir werden auch keine grüne „Nature“-Kosmetik betreiben, nur weil das gerade in Mode ist. Wir werden einfach weiterhin das Gute, das Wahre, das Schöne respektieren. Respekt tut allen gut – unseren Gästen ebenso wie uns selbst. Und das ist das Wichtigste, viel wichtiger als wirtschaftliches Wachstum.
Unsre Eltern, unsere Gäste, unser Land. Liebe ist das, Harmonie – und für uns nicht weniger als Glück. Wir wollen es wenigsten probieren, wollen uns von der Kultur einholen lassen, die uns – zum Glück - auf den Fersen bleibt.
 
 
 
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