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Tags:    Gemeinwohl-Ökonomie
 
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Thomas Hanifle Freitag, 10 Januar 2014

1. Gemeinwohlbilanz

Herzstück der Gemeinwohlökonomie ist eine alternative Bilanz, die etwa misst, wie groß die Lohnunterschiede innerhalb des Betriebes ausfallen, ob die eigenen Produkte und Geschäfte die Umwelt schädigen, inwiefern sich die Mitarbeiter wohlfühlen oder wie viel die Mitarbeiter im Betrieb mitbestimmen dürfen.
Für das Jahr 2012 hat das Hotel La Perla erstmalig zusammen mit drei anderen Südtiroler Betrieben, und zwar den Hotels Drumlerhof in Sand in Taufers und Lüsnerhof in Lüsen sowie dem Designhotel Feldmilla ebenfalls in Sand in Taufers, eine Gemeinwohlbilanz erstellt. Die Hotels bewerteten sich zuerst selbst und wurden dann von den jeweils anderen Unternehmen beurteilt. Den finalen Wert für den jeweiligen Betrieb bestimmten die Hotels schließlich gemeinsam nach einer ausführlichen Diskussion. Begleitet wurde dieser Prozess von Mitarbeitern des Terra Institutes aus Brixen, einem Kompetenzzentrum für Innovation und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen und Gesellschaft. Hier die Resultate.
1. Gemeinwohlbilanz
 
A) LIEFERANTEN
A1) Ethisches Beschaffungsmanagement

Das Hotel La Perla fördert in Sachen Einkauf einen Kreislauf der kurzen Transportwege: Lokale und regionale sowie umweltfreundliche und fair hergestellte Produkte werden bevorzugt, solche von nationalen und internationalen Anbietern auf das Nötigste reduziert. Seit Jahren verzichtet das Hotel außerdem auf Weine, die nicht in Europa hergestellt werden.

B) GELDGEBER
B1) Ethisches Finanzmanagement

Das Hotel La Perla hat sich bewusst die Raiffeisenkasse Val Badia als Partner ausgesucht. Als Genossenschaftsbank bietet sie günstige Bankdienste für Kunden und Mitglieder und unterstützt vor allem die lokale Wirtschaft. Ihr Handeln ist grundsätzlich auf das Allgemeinwohl ausgerichtet, Spekulation ist der Bank fremd: Sie sponsert lokale Vereine, Organisationen und Veranstaltungen und spendet für karitative Zwecke. Ein besonderes Anliegen ist der Bank die Förderung von Projekten, die den CO2- Ausstoß reduzieren. Sie gewährt Kredite für innovative Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien und der energetischen Sanierung und organisiert in diesem Sinne Informations- und Beratungsveranstaltungen.

C) MITARBEITER UND EIGENTÜMER
C1) Arbeitsplatzqualität und Gleichstellung

Die Mitarbeiter sollen ein Arbeitsambiente vorfinden, in dem sie sich wohlfühlen und das außerdem ihre Entwicklung fördert. Alle Angestellten haben deshalb einen freien und erleichterten Zugang zu den Saunas, zum Schwimmbad und zu den SPA-Angeboten. Außerdem werden bewusst keine Fast-Food- Automaten zur Verfügung gestellt. In der Führungsstruktur des Betriebs sind die Mitarbeiter den Abteilungsleitern und diese wiederum der Familie Costa unterstellt.

C2) Gerechte Verteilung der Erwerbsarbeit
Alle Mitarbeiter gehen geregelten Arbeitszeiten nach. Eine Analyse der Arbeitszeiten im Herbst 2012 hat es möglich gemacht, die Arbeitsstunden im Allgemeinen um eine Stunde zu reduzieren. Für jene Mitarbeiter, die in der Küche arbeiten, konnten sogar dreieinhalb Arbeitsstunden abgezogen werden. Trotz aller Anstrengungen bleiben Überstunden in diesem saisonal bestimmten Betrieb eher die Regel. Fast alle Angestellten haben einen All-inclusive-Vertrag, keine fünf Prozent einen Teilzeitvertrag.

C3) Förderung ökologischen Verhaltens der Mitarbeiter
Der respektvolle Umgang mit der Natur ist ein wesentlicher Mosaikstein der Hotelphilosophie. Das wird den Mitarbeitern regelmäßig kommuniziert, einem neuen Mitarbeiter sogar schriftlich. In Sachen Mobilität ist La Perla ein Vorbildunternehmen, denn 80 Prozent der Mitarbeiter erreichen ihren Arbeitsplatz zu Fuß.

C4) Gerechte Verteilung des Einkommens
Die Einkommensschere zwischen dem Höchst- und Mindestverdienenden beläuft sich auf 1 zu 5,23, wobei das Mindesteinkommen 1.100 Euro netto im Monat beträgt, Kost und Logis sind dabei inbegriffen. La Perla hat sich vorgenommen, diese Werte beizubehalten.

C5) Innerbetriebliche Demokratie und Transparenz
Die Familie Costa ist der alleinige Eigentümer des Hotels und trifft alle wichtigen betrieblichen Entscheidungen im Konsens mit den Abteilungsleitern. Diese wiederum verfügen über volle Entscheidungsgewalt.

D) KUNDEN, PRODUKTE, DIENSTLEISTUNGEN, MITUNTERNEHMEN
D1) Ethische Kundenbeziehung

Das Hotel La Perla ist von der Authentizität seiner Produkte und Services, die es anbietet, überzeugt. Intern wird alles dafür unternommen, diese Produkte zu verbessern. Kritik und Vorschläge von Gästen werden ernstgenommen, intern besprochen und im Rahmen der Möglichkeiten auch umgesetzt. Nach außen wird ein ethisches Marketing praktiziert und vordergründig die Werte des Hauses transportiert, die jenen der Gemeinwohlökonomie entsprechen. Verkaufsmitarbeitern werden diese Werte im Rahmen von hausinternen Schulungen speziell zum Thema ethischer Verkauf nochmals näher gebracht. Nur wenige Mitarbeiter (fünf Prozent) verdienen am Verkauf mit.

D2) Solidarität mit Mitunternehmen
La Perla arbeitet mit einem Reiseveranstalter, der 20 Prozent am Verkaufspreis der Zimmer erhält, sowie mit den lokalen Tourismusvereinen und den Leading Hotels of The World (LHW) zusammen.

D3) Ökologische Gestaltung der Produkte und Dienstleistungen
Die hoteleigenen Restaurants verwenden zu einem großen Teil saisonale und biologische Lebensmittel von lokalen Erzeugern. So bekommt man zum Beispiel im Juni und Juli keinen Strudel. Das Holz, das in den Zimmern verarbeitet wurde, stammt vorwiegend aus Südtiroler Wäldern oder von alten Möbeln. Aus Altem wird Neues gemacht, wenn das möglich ist: Stoffe für Vorhänge oder eben auch Holz für Möbel. Nicht mehr verwendbare Sofas oder Waschbecken wurden dem Onlusverein Cuori Grandi für karitative Zwecke zur Verfügung gestellt.
Jüngst wurden auch Sanierungsarbeiten am Hotel durchgeführt, bei denen ausschließlich ökologische Materialien verwendet wurden.

D4) Soziale Gestaltung der Produkte und Dienstleistungen
Die Angebote richten sich vor allem an ein wohlhabendes Publikum, wobei vor allem die Angebote des Gastlokals Murin und der hoteleigenen Bar auch für eine breitere Gästeschicht erschwinglich sind.

D5) Erhöhung der sozialen und ökologischen Branchenstandards
Seit Jahren arbeitet das Hotelunternehmen mit einigen Lieferanten, so etwa dem Aspingerhof aus Barbian, den Restaurants DoloMitici, zu denen die Gastlokale der Hotels Ciasa Salares und Rosa Alpina gehören, dem lokalen Tourismusverein, den Leading Hotels of The World und dem Terra Institute aus Brixen zusammen. All diese Aktivitäten sind darauf ausgerichtet, das regionale Umfeld für einen umweltschonenden Tourismus und die Prinzipien der Gemeinwohlökonomie zu sensibilisieren.

E) GESELLSCHAFTLICHES UMFELD
E1) Sinn und gesellschaftliche Wirkung der Produkte und Dienstleistungen

Einige Hotels des Tales teilen bereits den Ansatz eines langsamen Tourismus, der auch auf regionale Lieferanten im Bereich der Gastronomie setzt.

E2) Beitrag zum Gemeinwesen
Seit jeher versucht die Familie Costa, im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Gesellschaft in einem positiven Sinn nachhaltig zu beeinflussen. Sie unterstützt die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter, organisiert Wohltätigkeitsabende, stellt Gutscheine für lokale Vereine und Studenten zur Verfügung, greift dem Bozner Verlag Edition Raetia finanziell unter die Arme und unterstützt lokale karitative Projekte. Die Costa Family Foundation, die vor mittlerweile sechs Jahren ins Leben gerufen wurde, versucht die Rechte von Kindern zu schützen und zu fördern. Die Stiftung, bei der viele Hotelangestellte ehrenamtlich mitarbeiten, sammelt Mittel zur Finanzierung von Hilfsprojekten und begleitet und betreut diese auch vor Ort. Bisher wurden sieben Projekte in Nordindien realisiert, die tibetische Kinder im Exil unterstützen. In Togo wird das Schulprojekt von zwei Canossianerinnen unterstützt. Im Mai 2012 wurden in Uganda in Kooperation mit einer lokalen NGO die ersten beiden grünen Projekte gestartet.
Alle Anstrengungen im Sinne des Gemeinwohls haben in den Medien eine positive Resonanz erfahren und es geschafft, auch das Umfeld des Hotels, so etwa Gäste und andere Hotels, für Themen wie die Gemeinwohlökonomie, den Umweltschutz und nachhaltigen Tourismus zu sensibilisieren.

E3) Reduktion ökologischer Auswirkungen
Bisher hat sich das Hotel La Perla noch keinen ökologischen Fußabdruck errechnen lassen. Das Hotel erarbeitet aber Strategien, um noch weniger die Umwelt zu belasten.

E4) Gemeinwohlorientierte Gewinnverteilung
Ausschließlich die Familie Costa und einige wenige Mitarbeiter sind am Gewinn des Unternehmens beteiligt.

E5) Gesellschaftliche Transparenz und Mitbestimmung
Transparenz wird innerhalb des Hotels großgeschrieben. Mit der Gemeinwohlökonomie kann man das eigene wirtschaftliche Handeln öffentlich machen. Die Entscheidungen im Betrieb trifft die Familie Costa zu einem großen Teil zusammen mit den Abteilungsleitern. 

AUSBLICK
Insgesamt erzielte das Hotel La Perla 391 von 1.000 möglichen Punkten, wobei der Punktedurchschnitt bei Betrieben, die diese alternative Bilanz bisher errechnet haben, zwischen 300 und 350 Punkten liegt. Es gibt noch viel zu tun, weiß Michil Costa. „In einer noch weit entfernten Zukunft wollen wir nur mehr mit Stakeholdern zusammenarbeiten, die selbst eine Gemeinwohlbilanz vorweisen können.“. Die Richtung ist damit vorgegeben: Trotz aller Hürden, die ein Luxushotel und dessen Angebote mit sich bringen, will sich das Unternehmen auf allen Ebenen verbessern und eine Vorbildfunktion im Tal und auch in der Region in Sachen Gemeinwohlökonomie übernehmen.
Dabei wollen Costa und sein Team Unternehmen und Menschen für dieses alternative Wirtschaftsmodell sensibilisieren und begeistern. Konkret soll ein noch umweltbewussterer Einkauf betrieben werden, der auf lokale, saisonale und nachhaltige Produkte zurückgreift. Ins Auge gefasst wurden außerdem Sanierungsarbeiten am Hotel, die nach energiesparenden Kriterien durchgeführt werden sollen. „Um alle Ziele erreichen zu können, werden wir betriebsintern Arbeitsgruppen bilden, die unsere Schwachstellen analysieren und dann dazu konkrete Verbesserungsmaßnahmen entwickeln“, so Michil Costa, dem ein weiterer Punkt am Herzen liegt: In Zukunft sollen noch mehr Mitarbeiter bei der Costa Family Foundation mitarbeiten.

Thomas Hanifle
 
 
 
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