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Tags:    Col Alto     Tourismus     Winter
 
michil Montag, 1 Dezember 2014

Diese tückische Nostalgie

In diesen letzten friedlichen Tagen versuche ich so viel Stille wie möglich zu tanken. Ich versuche, die Energie der Berge einzufangen, genieße den Spaziergang durch das Dorf, steige zu Fuß die Skipiste Col Alto hinauf. Hie und da treffe ich schon auf ein paar versprengte Touristen, die sich nach einem Souvenir umsehen oder auch nur nach einer geöffneten Bar.
Es ist die Ruhe vor dem Sturm.
Diese tückische Nostalgie
 
 
 
Ich träume von einem Bergdorf, von meinem Dorf, das ich so sehr liebe, isoliert von den anderen, aber mit ihnen durch jene „goldene Verknüpfung“(wie F. Mauriac sagen würde) zwischen dem Ich und dem Nicht-Ich, dem Himmel und der Erde verbunden.“
Schon bald werden die Touristen zu Tausenden anreisen. Corvara wird sich in eine kleine Stadt verwandeln, laut und voller Abgase, und auf der Dorfstraße werden sich die Autos stauen. Die Touristen werden ihr Gepäck ausladen, Skipässe kaufen, Wünsche äußern und wie immer von der langen Anreise gestresst sein. „Zieh’ die Jacke an, lass’ die Mütze auf, geh’ nicht in den tiefen Schnee!“. Die üblichen Ermahnungen angsterfüllter Mütter wecken uns aus unserem herbstlichen Dämmerschlaf und katapultieren uns direkt in die Realität unseres kleinen Dorfes: ein bisschen Zirkus gegen ein wirtschaftlich erfolgreiches Dasein. „Wir müssen den Touristen lieben“, sagte der alte Giarone, ehemaliger Wirt vom Sporthotel Panorama, Corvara. Stimmt, man muss ihm ein paar Geschichten erzählen. Ihn bei der Hand nehmen. Ihm etwas Wärme schenken. Ihn aus seiner Welt der Termine, Meetings, Sorgen, schlechter Stadtluft und Routine herausholen. Ihm beim Entschleunigen helfen auf seinem irren Rennen im Hamsterrad, wo er der Idealvorstellung eines glücklichen Lebens hinterherläuft. Glaubt er wenigstens.
Darum bemühen wir uns bei dem Versuch, neue und alte Besucher zu gewinnen: Wir organisieren Feste, bieten hie und da ein wenig Kultur, denn Kultur kommt an, das haben wir verstanden. Wir servieren auf 2000 Meter Höhe frischen Atlantikfisch und sorgen mit Techno-Sound für Stimmung in den Berghütten, oder besser noch, vor den Berghütten, auf großen Sonnenterrassen mit Blick auf Bergbahnen und Berge, auf uralte Lärchen und nagelneue Hubschrauber. Wir benützen ein paar ladinische Wörter und schmücken schon mal die Weihnachtsbäume. Ein bisschen früh vielleicht?
Den Gast, nicht nur den Kunden, wirklich zu lieben, bedeutet weitaus mehr, als ihn einfach nur in eine nach seinen Vorstellungen modellierte Welt zu setzen. Wenn wir künstliche „Hochzeiten aus der guten alten Zeit“ inszenieren, katapultieren wir den Besucher damit nicht in eine falsche Phantasiewelt, in eine künstlich erzeugte Nostalgie? Falsche „Almdörfer“, wie sie zur Zeit überall aus dem Boden schießen, gezeichnet wie nach dem Märchenbuch, mit entzückenden Bergbächen, die unter Holzbrückchen dahinrauschen, und geschnitzten Massivholztüren, ist das nicht eine Form von Disneyland? Andererseits werden damit Rückzugsoasen für Menschen geschaffen, die das Bedürfnis und die Möglichkeit zur Entspannung besitzen. Und diese Dörfer haben Erfolg. Andere Frage: Sollte tatsächlich immer der Markt entscheiden, was richtig oder falsch ist?

Ich weiß nicht, aber manchmal habe ich ernsthafte Zweifel, ob es richtig ist, was wir da treiben. Manchmal denke ich daran, wie sich die Touristen vor gar nicht allzu langer Zeit hier in Corvara amüsierten. Sie schnallten sich zwei Holzbretter an und stiegen zum Col Alto hinauf. Abends gab es ein paar Knödel auf den Teller, einen Grappa mit dem Gastgeber, und das Leben war herrlich. Klar, in jenen Zeiten lebte man noch nach dem Rhythmus des Herzens. Diese Zeiten sind vorbei und es bringt wenig, ihnen nachzuweinen. Heute ist unser Tal ein Paradies für einen Elitetourismus, mit Gästen, die viel zu tun haben und anspruchsvoll und raffiniert sind. Auch die Bedürfnisse von uns Einheimischen haben sich geändert.

Dennoch muss ich zugeben: Es würde mir schon sehr gefallen, nach dichtem Schneefall einmal nicht die Schneeräumfahrzeuge zu hören, die Pistenraupen zu sehen und das gestreute Salz unter den Füßen zu spüren. Wie würde ich mich über Mütter freuen, die mit ihren Kindern ohne Ermahnungen und Handyklingeln im Schnee spielen. Über Gäste, die sich auch ohne Schneekatzen am Berg bewegen. Wie gerne würde ich zusammen mit den Einheimischen und den Feriengästen die Stille eines Bergdorfes genießen, das nicht in erster Linie seine Besucherzahlen steigern möchte. „Ich träume von einem Bergdorf, von meinem Dorf, das ich so sehr liebe, isoliert von den anderen, aber mit ihnen durch jene „goldene Verknüpfung“(wie F. Mauriac sagen würde) zwischen dem Ich und dem Nicht-Ich, dem Himmel und der Erde verbunden.“

Das sind einfach nur meine Gedanken. Sinnlose Gedanken vielleicht. Doch auch in der Sinnlosigkeit kann ein Sinn liegen: Denn „bei jeglichem Dinge muss man auf das Ende sehen, wie es ausgeht“, sagte Herodot. Zwischen all den Zweifeln, die mich befallen, ist mir auch unser großes Privileg bewusst, an einem Ort leben zu dürfen, an dem andere Ferien machen. Und wir sind unseren Gästen dankbar dafür, dass sie uns besuchen kommen, dass sie auch unsere Schwächen akzeptieren, unsere Fehler, den Umstand, dass wir zu sehr an den „Markt“ denken und zu wenig an die wahren Bedürfnisse des Einzelnen. Wir sind auch denjenigen Gästen dankbar, die uns mit ihren Zweifeln bereichern, mit ihrer gerechtfertigten Kritik gegenüber obszönen architektonischen Entgleisungen, wir danken den Skeptikern, die versuchen, uns die Augen zu öffnen und jener Mutter, die uns gefragt hat, wieso es in Hotels eigentlich nie Pissoirs in passender Höhe für kleine Buben gibt.

Wir danken Ihnen allen, die Sie uns unseren Beruf ermöglichen. Danke für diese Möglichkeit, die uns mit Begeisterung erfüllt und uns deshalb die wunderbare Gelegenheit gibt, den Gast wirklich zu lieben. Mit der Hoffnung, dass den guten Wünschen ebensolche Taten folgen mögen! Doch einen Vorteil können wir unmittelbar genießen : Wer seinen Gast und seine Mitarbeiter liebt, lebt besser.
Uns allen einen gute Wintersaison!

Michil Costa
 
 
 
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